Giesener nicht in aktueller DVV-Auswahl

Röling: „Es sollte ja auf die Leistung des Spielers ankommen“

22. April 2021, 23:50 Uhr

Kraftvoller Einsatz von GRIZZLYS-Zuspieler Jan Röling. Foto: Christian Scheffler

Jan Röling hat trotz des Verpassens der Play-Offs mit den Helios GRIZZLYS Giesen eine starke Saison gespielt. Beim DVV ist er dennoch nicht im Perspektivkader.

Knapp zwei Monate ist das Saisonende der Helios GRIZZLYS her. Gänzlich aus den Gedanken gestrichen hat Zuspieler Jan Röling die alte Saison aber noch nicht: „Manchmal beschäftige ich mich schon noch damit, gerade wenn man die Chancen betrachtet, die wir ausgelassen haben. Das ärgert mich natürlich. Aber zu lange Trübsal blasen hilft da nicht, sondern etwas draus lernen.
Leider musste der 21-Jährige noch eine weitere Enttäuschung nach Saisonende hinnehmen. Mitte April nominierte der Deutsche Volleyball Verband um Bundestrainer Andrea Giani seine Mannen für die Nationalmannschaft. Im sogenannten ‚A-Kader‘ finden sich die Stars wie Lukas Kampa, Marcus Böhme oder die frisch gebackenen deutschen Meister Julian Zenger und Anton Brehme wieder. Zudem nominierten die Verantwortlichen des DVV einen ‚Perspektivkader‘, der unter Junioren-Bundestrainer Dan Ilott in einer Lehrgangswoche zur Talentsichtung dienen sollte. Auf dieser Liste fanden sich viele Bundesliga-Spieler wieder, wie zum Beispiel Rölings Teamkollegen aus der Juniorenmannschaft Ivan Batanov und Eric Burggräf aus Düren, etliche Spieler vom VCO Berlin sowie Benedikt Sagstetter vom TSV Unterhaching.
Nicht auf dieser Liste zu finden, Namen wie der Giesener Jan Röling oder Ex-GRIZZLY Stefan Thiel, inzwischen bei den Volleyball Bisons Bühl. „Mir ist schon bewusst, dass es ein weiter Weg bis zur A-Nationalmannschaft ist. Aber natürlich habe ich große Ambitionen und würde gerne mal im Perspektivkader, der sogenannten B-Nationalmannschaft, dabei sein und mich zeigen dürfen.

Von 2014 bis 2018 durchlief der gebürtige Wiesbadener alle Jugend- und Junioren-Nationalmannschaften, anschließend ging es vom Volleyball Internat Frankfurt nach dem Abitur zum Bundesligisten TV Rottenburg und ein Jahr später zu den GRIZZLYS. Für Röling könnte darin ein Grund liegen: „Ich habe vier Jahre Junioren-Nationalmannschaft gespielt. Aber danach gab es keinen Kontakt mehr. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich nicht zum VCO Berlin gewechselt bin.“ VCO Berlin gilt als Kaderschmiede des deutschen Volleyballs. Fast alle heutigen Nationalspieler durchliefen die VCO Mannschaft, eines der besten aktuellen Beispiele sind sicher Linus Weber (VfB Friedrichshafen, wechselt nach Italien) und Anton Brehme (Berlin Recycling Volleys) die sich kürzlich mit ihren Teams im Finale um die deutsche Meisterschaft gegenüberstanden und beide gute Freunde von Röling aus der Juniorennationalmannschaft sind. „Ja, da ist schon Enttäuschung vorhanden. Ich hatte gehofft, mit meiner Leistung in der 1. Liga überzeugen zu können“, zeigt sich der GRIZZLYS-Zuspieler enttäuscht.

Bei genauerer Betrachtung des Kaders für Lehrgang Nummer eins fällt auf, mit Eric Burggräf und Johannes Tille sind zwei Spieler der Top vier Teams vertreten. Insbesondere Tille zeigte in Herrsching eine starke Saison. Burggräf musste in Düren zumeist Tomas Kocian-Falkenbach den Vortritt lassen, zeigte aber bei seinen Einsätzen zusammen mit den erfahrenen und gut eingespielten Teamkollegen eine sehr gute Leistung. Demgegenüber hatte Röling weit mehr Spielanteile und zeigte ein großes Maß an Übersicht und Verantwortungsbewusstsein. Benedikt Sagstetter ist erster Zuspieler bei Unterhaching und auch im Beachvolleyball zusammen mit seinem Bruder Jonas aktiv. „Die Konkurrenz unter uns Zupielern der letzten beiden Jahrgänge ist groß, das sind alles sehr gute Spieler. Und ich denke, ich gehöre dazu und kann mich mit der Auswahl aus dem Perspektivkader messen. Und vielleicht bin ich sogar besser“, gibt sich Röling offensiv, fügt aber an: „Gerade momentan gibt es unheimlich viele Zuspieler in Deutschland, die auf einem Niveau sind oder zwischen denen Leistungsunterschied nicht groß ist, aber man registriert das schon.“ Diese Worte sind allerdings nicht unbegründet. Schließlich hat sich der erst 21 Jahre alte Zuspieler in Giesen zur Nummer eins und einer absoluten Konstante entwickelt. „Ich denke es hängt nicht mit Vereinen zusammen, sonst hätte Benedikt Sagstetter von Unterhaching ja keine Einladung bekommen. Das ist in meinen Augen auch kein Kriterium, es sollte ja auf die Leistung des Spielers ankommen“, blockt er Fragen bezüglich des Standings der Helios GRIZZLYS beim DVV ab.

Röling konzentriert sich neben seinem Studium stattdessen bereits auf die kommende Saison, das Training haben die sich in Giesen / Hildesheim befindenden Spieler wieder aufgenommen. „Ich bleibe ehrgeizig und werde intensiv trainieren und alles dran setzen, mich weiter zu verbessern und positiv aufzufallen“, gibt sich Röling kämpferisch.

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