Was für ein Volleyball-Wahnsinn. Die Helios Grizzlys Giesen drehen ein verloren geglaubtes Spiel und träumen nun vom Einzug ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft.

Was war denn das bitte für ein Volleyballabend? Zwei Sätze lang wollte den Helios Grizzlys Giesen im ersten Play-Off-Viertelfinale gegen die WWK-Volleys Herrsching so gar nichts gelingen. In allen Mannschaftsteilen waren die Giesener zunächst unterlegen. Die Annahme stimmte überhaupt nicht und die 1950 Fans in der Hildesheimer Volksbank-Arena durften die Klatschpappen zum ersten gelungenen Block gefühlt erst im dritten Satz rausholen. Die ersten beiden Sätze gingen klar an die Bayern. Mit 18:25 und 18:25 gingen die Gäste mit 2:0 in Führung. Nach nicht einmal einer Stunde sah es nach einem glatten Sieg für Herrsching aus. Dann aber wendete sich das Blatt. Die Hausherren kämpften sich zurück. „Ich wollte, dass die Mannschaft sich nicht mit einem 0:3 verabschiedet“, sagte Trainer Itamar Stein.

Zähne zeigen: Noah Baxpöhler mit einer Ansage in Richtung zweites Viertelfinalspiel.

Sein Team bäumte sich plötzlich auf. Zuspieler Jan Röling machte nun vieles richtig. Mich Ahyi lief zur Höchstform auf. Auch Jori Mantha, Ethan Champlin und Noah Baxpöhler waren nun zur Stelle. Der Block stabilisierte sich und die Angreifer fanden immer wieder bayrische Lücken. Der dritte Satz war eine Giesener Demonstration. Mit 25:16 entschieden die Grizzlys den Durchgang für sich. Das 1:2 war perfekt. Der vierte Satz stellte die Weichen in Richtung der Niedersachsen. Bezeichnend war der Punkt zum 16:14 für die Grizzlys. Die Giesener konnten einen harten Aufschlag des überragenden Victor Rodriguez Perez entschärfen. Damit war den Gästen in diesem Satz der Zahn gezogen. Die Giesener spielten wie aufgeputscht und konnten den vierten Satz mit 25:19 gewinnen. Dieses positive Momentum nahmen die Grizzlys in den Tiebreak mit. Hier lagen die Giesener, die nun von den fast 2000 Fans frenetisch nach vorne gepeitscht wurden, schnell mit 6:4 in Front. Diese Führung gaben sie nicht mehr aus der Hand. Ahyi punktete immer wieder. Der letzte Punkt war Youngster Mark Rura mit einem spektakulären Block vorbehalten. Mit 15:11 schafften die Grizzlys das Wunder und drehten das Spiel. Aus einem 0:2 machte das Stein-Team einen 3:2-Sieg. „Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Jetzt liegt der Druck bei den Herrschingern“, sagte Stein. Am Mittwoch kommt es in der BMW-Arena zu Spiel zwei. „Wir wollen nur einmal nach Bayern fahren“, sagte ein glücklicher Sascha Kucera. Der Manager der Grizzlys träumt, wie viele andere Giesener auch, vom Einzug ins Halbfinale. Dazu brauchen die Giesener noch einen Sieg. In der Serie „best of three“ müssen die Grizzlys nun noch maximal zweimal in Herrsching antreten. Wer zuerst zwei Spiele gewinnt, ist weiter. Die Grizzlys haben nun zwei Matchbälle. Das hätte am Samstag nach 60 Minuten in Hildesheim kaum jemand erwartet. Jetzt ist diesen Wende-Grizzlys alles zuzutrauen.