Wer an Kampfkünste denkt, hat oft klare Bilder im Kopf: schnelle Bewegungen, Disziplin, Körperbeherrschung. Doch TA WingTsun ist mehr als das.

Es ist eine Kampfkunst, die ihren Ursprung in China hat und sich auf Selbstverteidigung, Selbstwahrnehmung und Deeskalation konzentriert. Keine Wettkämpfe, keine Regeln wie im klassischen Kampfsport. Stattdessen geht es darum, Konflikte effektiv zu beenden, das eigene Umfeld bewusst wahrzunehmen und Grenzen zu erkennen.

Ein Ort, an dem all das gelehrt wird, ist die TA WingTsun Schule in Hildesheim. Seit 18 Jahren existiert die Einrichtung und sie wächst. Unter der Leitung von Marius Ewert hat sie sich zu einer festen Anlaufstelle für Menschen von 4 bis über 60 Jahren entwickelt. Im Interview spricht Marius mit spürbarer Leidenschaft über seinen Weg, seine Philosophie und darüber, wie aus einer Nebentätigkeit bald ein Beruf werden soll.

Ein Ort für alle – vom Kindergartenkind bis zum Senior

Die Schule öffnet ihre Türen für Interessierte zwischen 4 und 88 Jahren. Der älteste aktive Schüler ist aktuell 64 Jahre alt und der schafft, wie Marius stolz erzählt, „immer noch einen Schienbein-Kick“.

Besonders gefragt ist die sogenannte „Minis-Gruppe“ für Kinder ab vier Jahren, die vor einem Jahr gegründet wurde. Donnerstags und freitags trainieren die Kleinsten bis zu zweimal pro Woche. Für die älteren Schüler ist die Schule dienstags, donnerstags und freitags geöffnet. „Gerade bei den Minis erleben wir einen großen Zulauf“, sagt Marius. Kein Wunder, denn was hier geboten wird, hebt sich deutlich von anderen Schulen ab.

Mehr als nur Bewegung: Ein pädagogisches Konzept mit Herz

„Wir wollen unterrichten und keine Bewegungstherapie geben“, betont Marius. Das merkt man schon an der Betreuung: Während in vielen Einrichtungen eine einzelne Lehrkraft mit 15 Kindern arbeitet, sind es in Hildesheim stets mindestens zwei bis drei Ausbilder – ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis hebt sich positiv ab.

Marius legt großen Wert darauf, dass seine Einrichtung nicht ein Studio, sondern eine Schule ist, mit qualifizierten Ausbildern und durchdachtem Konzept. „Es geht um Kampfkunst, nicht um Kampfsport“, erklärt er. „Wenn ich ein Messer sehe, renne ich. Es geht nicht um Regeln oder Wettkämpfe, sondern um effektive Selbstverteidigung.“

Sein Weg: Vom Jugendlichen in Himmelsthür zum Schulleiter

Marius Ewert kennt die Kampfkunst seit seiner Kindheit durch seinen Vater, der selber WingTsun praktizierte. Mit 13 begann er mit WingTsun, damals noch in Himmelsthür. Mit 16 hörte Marius zwecks Berufsausbildung auf. In der Zwischenzeit probierte er sich im Fitnessstudio und beim Klettern aus. Erst mit 34 Jahren entdeckte er die alte Leidenschaft wieder. Innerhalb von fünf Jahren absolvierte er die Ausbildung zum Schulleiter. Eine Qualifikation, die man mit einer Berufsausbildung vergleichen kann.

Heute bildet er sich jede Woche weiter und besucht zusätzlich regelmäßig Pflichtlehrgänge. „Man möchte ja selbst besser werden“, sagt er. Die Schule hat er 2021 übernommen. Damals mit rund 30 Mitgliedern. Inzwischen sind es fast 100.

Zukunftspläne: Mehr Raum, neue Gruppen, große Träume

Die aktuellen Räumlichkeiten sind zu klein geworden. Ende des Jahres soll deshalb eine zweite, größere Schule eröffnet werden. Die jetzige bleibt dabei bestehen. Aus Tradition und Verbundenheit.

Parallel dazu plant Marius eine neue Frauengruppe, für die er auch schon eine Ausbilderin im Auge hat. Die Gespräche laufen. „Es ist wichtig, dass sich jede Zielgruppe bei uns sicher und wohlführt“, erklärt er.

Mehr als Training: Integration, Selbstbewusstsein, Herz

Der Wert dieser Kampfkunst zeigt sich für Marius nicht nur auf der Matte. Er erzählt von einer ukrainischen Flüchtlingsfamilie, deren Kinder einst ohne ein Wort Deutsch zur Schule kamen. Durch das Training fanden sie Anschluss, lernten die Sprache, wurden Teil der Gemeinschaft. „Das sind Momente, die mir lange im Gedächtnis bleiben.“

Auch persönlich hat ihm TA WingTsun geholfen: Als DJ wurde er bei einem Auftritt in eine unangenehme Situation verwickelt. Durch klare Körpersprache und Worte konnte er die Lage deeskalieren. „Die Kampfkunst hat mein Auftreten verändert. Ich weiß heute, wer ich bin, und wann ich Nein sage.“

Ein Einstieg für alle – ohne Druck

Wer neugierig ist, kann bei TA WingTsun ein kostenloses Probetraining absolvieren – ganz individuell im 1-zu-1-Setting. Danach zahlt man eine Mitgliedschaft und kann so oft kommen, wie man möchte. „Es ist kein Kurs, der irgendwann voll ist. Wir bieten Raum zur persönlichen Entwicklung“, sagt Marius.

„Ein gutes Herz entwickeln“

Am Ende des Gesprächs wird klar: Für Marius Ewert ist TA WingTsun mehr als eine Kampfkunst. Es ist eine Lebensschule. „Ich will Menschen helfen, sich ein gutes Umfeld zu schaffen und ein gutes Herz zu entwickeln“, sagt er – und man glaubt ihm jedes Wort.

Mehr Infos zur TA WingTsun Schule Hildesheim gibt es auf www.tawt-hildesheim.de.
Probetrainings können jederzeit vereinbart werden.