Beim TuS Grün-Weiß Himmelsthür steht am kommenden Samstag ein besonderer Tag an.

Abschiedsspiel für zwei Identifikationsfiguren

Um 16 Uhr werden Simon Ihssen, geborener Balzer, und Ali Genc im Rahmen eines Abschiedsspiels offiziell verabschiedet. Unter dem Motto „Alis Talentschmiede & Co. gegen Ihssens Balzerinas“ treffen zwei Teams aus Wegbegleitern, Freunden, ehemaligen Spielern und Trainern aufeinander. Dazu wartet auf die Besucher ein buntes Rahmenprogramm für Groß und Klein sowie eine After-Show-Party mit DJ.

Der Inbegriff für Vereinstreue

Für Simon Ihssen endet damit eine außergewöhnliche aktive Laufbahn. Seit dem 1. Juli 1992 ist der 38-Jährige beim TuS GW Himmelsthür gemeldet. Über Jahrzehnte prägte er den Verein, blieb Grün-Weiß treu und verabschiedete sich sportlich mit dem Klassenerhalt in der Bezirksliga. Ihssen sagt mit Blick auf den besonderen Samstag:

Mir geht die pure Vorfreude durch den Kopf. Dass sich so viel Mühe gegeben wird, um Ali und mir einen schönen Abschied zu ermöglichen, ist alles andere als selbstverständlich und ich bin super dankbar dafür

Die Entscheidung, die aktive Karriere zu beenden, fiel ihm nicht leicht. „Es hat immer noch richtig Spaß gemacht und die Jungs sind einfach klasse“, erklärt Ihssen. Dennoch habe sich der Schritt richtig angefühlt, auch wenn bereits „ein oder zwei Mal etwas Wehmut“ dabei gewesen sei. Einen bestimmten Moment, in dem er wusste, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, gab es für ihn nicht. Vielmehr sei es ein schleichender Prozess gewesen. „Ich habe schon gerade in der letzten Saison das ein oder andere Mal gemerkt, dass mein Körper nicht mehr so schnell ist, wie mein Kopf. Und der Muskelkater an den Montagen hat auch eine eindeutige Sprache gesprochen.“

Führungsspieler und Identifikationsfigur der Grün-Weißen: Simon Ihssen.

Dass er sich nicht mit einem Abstieg, sondern mit dem Bezirksliga-Klassenerhalt verabschiedet, macht den Abschied für Ihssen besonders. Er sagt:

Ich hätte es zu Beginn meiner Herrenzeit nicht für möglich gehalten, mal mit Himmelsthür in der Bezirksliga zu spielen

Gerade nach der schwierigen Hinserie sei der Klassenerhalt „einfach nur sehr schön“. Er freue sich, dass die Mannschaft auch weiterhin diese Erfahrung genießen könne.

Wenn Ihssen auf seine Laufbahn zurückblickt, überwiegen vor allem Dankbarkeit und Stolz. „Ich hatte das Glück, mit so vielen tollen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen und wir haben zusammen wirklich etwas sehr Gutes geschaffen“, sagt die Himmelsthürer Vereinslegende. Am meisten vermissen werde er die Gemeinschaft auf dem Platz, in der Kabine und natürlich das Fußballspielen selbst.

Seine ersten Schritte beim TuS liegen lange zurück, doch das Gefühl von damals ist geblieben. Ihssen erinnert sich besonders an ein Trainer-Ehepaar aus seiner Anfangszeit. „Ich weiß noch ganz genau, wie viel Spaß ich schon damals hier hatte und das lag zu einem ganz großen Teil an den beiden.“ Der Verein sei für ihn über all die Jahre eine Herzensangelegenheit geblieben. „Ich habe dem Verein so viel zu verdanken“, sagt Ihssen.

Dass er Himmelsthür über Jahrzehnte treu geblieben ist, erklärt er vor allem mit den Menschen im Verein. „Ich hatte einfach das Glück, die allermeiste Zeit meiner Karriere hier mit meinen Freunden spielen zu können.“ Dazu habe sich der Verein enorm weiterentwickelt, sodass auch die Rahmenbedingungen immer besser wurden. „Es sind immer die Menschen, die den Verein für mich so besonders gemacht haben“, betont Ihssen.

Sportlich bleibt für ihn besonders die Double-Saison mit Kreispokalsieg und Meisterschaft in der Kreisliga in Erinnerung. Aber auch schwierige Phasen hätten ihn geprägt. „Die schweren Phasen lehren einen wieder mehr Demut und in diesen Zeiten zeigt sich, wie gut der Zusammenhalt wirklich ist.“ Genau dieser Zusammenhalt sei in Himmelsthür immer wieder spürbar gewesen.

Jubel beim Pokalsieg in Ochtersum gegen Concordia 2024.

In den letzten Jahren verstand Ihssen seine Rolle nicht nur über Erfahrung, sondern auch über Leistung. „Zum einen wollte ich trotz meines Alters auch immer noch mit Leistung überzeugen und zum anderen habe ich versucht, immer ein vernünftiges Vorbild zu sein.“ Jüngeren Spielern wollte er vor allem ein offenes Ohr anbieten. Und auch die Kabinenzeit wird ihm fehlen. Typisch für seine Zeit beim TuS seien für ihn die Abende nach dem Training gewesen, „in denen man nur ein oder zwei Getränke trinken wollte und man dann doch erst am Morgen wieder zu Hause war“.

Alis Talentschmiede & Co vs. Ihssens Balzerinas

Besonders emotional wird der Abschied auch deshalb, weil Ihssen gemeinsam mit Ali Genc verabschiedet wird. Genc legte nach zwölf Jahren als Trainer in Himmelsthür im Sommer sein Amt nieder. Für Ihssen ist das ein besonderer Moment. „Ali ist einer der Trainer, die ich vorhin gemeint habe. Es ist einfach ein riesen Privileg, so lange unter ihm gespielt und trainiert zu haben und dazu ist er auch einfach einer der besten Menschen überhaupt“, sagt Ihssen. Er freue sich sehr, diese besonderen Momente mit ihm gemeinsam erleben zu dürfen.

Auch für Ali Genc ist das Abschiedsspiel alles andere als selbstverständlich. „Das ist für mich etwas ganz Besonderes“, sagt Genc. Zwölf Jahre habe er als Trainer in Himmelsthür gearbeitet, acht Jahre sogar in Doppelfunktion. „Mit der richtigen Hingabe und Leidenschaft war das zeitlich irgendwie möglich.“ Besonders stolz mache ihn die positive Entwicklung der Jugendmannschaften und der Herren. Der Verein habe ihm über all die Jahre viel Wertschätzung entgegengebracht. „Sonst hätten sie auch nicht zwölf Jahre an mir festgehalten“, sagt Genc.

Ex-Himmelsthür-Trainer Ali Genc hat den Verein in den letzten zwölf Jahren geprägt wie kaum ein anderer!

Die Mannschaft von Genc wird eine Mischung aus seinem Talenteteam und ehemaligen Co-Trainern sein. Von 19 ehemaligen A-Jugendspielern hätten 16 direkt zugesagt. Dazu kommen sechs Trainer, mit denen er zusammengearbeitet hat. Genau deshalb trägt sein Team den Namen „Alis Talentschmiede & Co.“. „Ich habe immer von Familie gesprochen und dass jetzt nochmal alle als Familie zusammenkommen, ist ganz, ganz besonders“, sagt Genc. Viele seiner ehemaligen Spieler seien inzwischen im Landkreis oder deutschlandweit verteilt aktiv. Umso stolzer sei er, dass sie für diesen Tag noch einmal zusammenkommen.

Auch Genc wird nach Abpfiff der letzten Partie wie Ihssen (Titelbild) hochleben lassen.

Auf der anderen Seite steht mit „Ihssens Balzerinas“ das Team von Simon Ihssen. Auch er freut sich riesig auf das Abschiedsspiel und das Rahmenprogramm. „Ich freu mich wie bolle“, sagt Ihssen. Er sei den Organisatoren „ohne Ende dankbar“ für die Arbeit und die Zeit, die sie für ihn und Ali aufbringen. Für den Tag selbst hat er nur einen Wunsch: „Dass alle einfach eine super schöne Zeit haben.“

Ganz ohne Emotionen wird dieser Abschied wohl nicht über die Bühne gehen. Ihssen gibt offen zu: „Da darf definitiv auch die ein oder andere Träne fließen.“ Den Menschen, die ihn über all die Jahre begleitet haben, möchte er vor allem eines sagen: „Einfach nur DANKE für Alles!“

Dem TuS GW Himmelsthür wird Ihssen auch nach seinem Karriereende erhalten bleiben. Wie genau, wird sich zeigen. Zunächst freut er sich auf mehr freie Zeit mit seiner Frau und seinem kleinen Jungen. „Zum ersten Mal ist der Sonntag nicht dem Fußball untergeordnet. Ich freu mich sehr auf schöne Ausflüge mit meiner Familie. Aber ich werde mit Sicherheit auch das ein oder andere Mal als Fan am Seitenrand stehen.“

Seiner Mannschaft und dem Verein gibt er zum Abschied eine Botschaft mit:

Nichts ist unmöglich! Das hat gerade die Rückrunde der letzten Saison eindrucksvoll bewiesen.

Und wenn Simon Ihssen seine Karriere in einem Satz zusammenfassen müsste, würde er sagen: „Wenn ich noch mal von vorne anfangen würde, würde ich nichts anders machen.“

Am Samstag haben die Himmelsthürer nun die Gelegenheit, zwei prägende Persönlichkeiten des Vereins gebührend zu verabschieden. Zwei Legenden sagen Tschüss!