Invaders verlieren ihr Homefield

"Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden"

Maximilian Willke
02. März 2021, 11:53 Uhr

Auf dem Homefield der Hildesheim Invaders soll nach den Plänen von Eintracht Hildesheim eine neue Halle entstehen. Foto: Maximilian Willke

Erst am vergangenen Freitag wurde bekannt, die Hildesheim Invaders verlieren ihre Heimspielstätte, weil Grundstücks-Pächter Eintracht Hildesheim eine neue Halle bauen will. Nun äußern sich die Stadt, Eintracht aber auch die Invaders. 

Die schlechten Nachrichten für die Hildesheim Invaders nehmen nicht ab. Zunächst kündigte Investor und Hauptsponsor Frank Meyer seinen Rückzug aus, daraufhin folgte der Rückzug aus der German Football League. Plötzlich verlieren die Hildesheimer Footballer auch 'ihr Homefield' am Philosophenweg. Der Grund: Grundstücks-Pächter Eintracht Hildesheim will eine neue Zweifeld-Sporthalle bauen, wie Vorstand und Aufsichtsrat des Großsportvereins entschieden haben. In einer Mitteilung auf der Homepage von Eintracht heißt es:

Damit entlasten wir in den Sporthallen in Hildesheim die knappen Hallenzeiten und holen gleichzeitig Kernsportarten von Eintracht auf unser Areal zurück.
Vorstandsvorsitzender Clemens Löcke
Das Besondere: Für den Neubau hat Eintracht einen Investor gefunden. "Ein Glücksfall für unseren Verein", wie die beiden Stellvertretenden Vorsitzenden Tobias Hartrich und Friederike Hoff-Elfers ergänzen.
Bei der Standortsuche der Zweifeldhalle wurden Alternativen geprüft. Bekanntlich liegt fast das gesamte Eintracht-Gelände im Überschwemmungsgebiet und so wird der Sportplatz H – das ehemalige Homefield – der Platz der neuen Zweifeldhalle. Dort kommen die Invaders ins Spiel. Der 1. Vorsitzende Jan-Hendrik Meyer und sein Stellvertreter Johannes Krupp wurden von Clemens Löcke zu einem Gespräch geladen, indem ihnen mitgeteilt wurde, dass die Nutzung des Platzes fristlos gekündigt wird. Meyer äußert sich wie folgt:
Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Es kam zwar das Angebot, dass wir unseren Sport, wenn wir Spiele haben, gegebenenfalls auf dem Eintracht-A-Platz, wo normalerweise die Leichtathletik-Sparte trainiert und Wettkämpfe austrägt, ausüben können. Aber das hat mich irritiert, da fehlt es an Kapazitäten für Zuschauer allein schon.
Invaders-Vorsitzender Jan-Hendrik Meyer

Was den Invaders ebenfalls sauer aufstößt: Eigentlich gab es ein Nutzungsrecht, das 2017 begonnen wurde und bis 2022 befristet war. 

Uns stellt sich die Frage ob man das einfach aufkündigen kann. Ich hab darauf vertraut, dass Eintracht sich an Verträge hält – uns hat das ziemlich überrascht.
Meyer über die Vorgehensweise der Eintracht
Dennoch sieht der Vorsitzende der Invaders natürlich auch die Vorteile für Eintracht Hildesheim, nennt aber dennoch eine Möglichkeit, wie das Homefield hätte wohl bestehen bleiben können:
Für Eintracht ist es ein tolles Ding eine Halle gesponsert zu bekommen, das bringt ja auch Vorteile mit, aber warum muss die Halle da hin – zwischen dem Balance-Center und dem Kunstrasen würde so eine Halle sicher auch passen.
Jan-Hendrik Meyer

Die Stadt Hildesheim hält sich auf Anfrage von Sportnews Hildesheim eher bedeckt. Pressesprecher Helge Miethe entgegnet:

Das Bauvorhaben, für das gerade ein Bauantrag eingegangen ist, wurde der Verwaltung seitens des Vereins Ende Januar 2021 vorgestellt, die Umwandlung des Pachtverhältnisses in ein Erbbaurecht, das Voraussetzung für die Realisierung des Bauprojekts wäre, wird derzeit verwaltungsintern geprüft.
Helge Miethe, Pressesprecher Stadt Hildesheim
Immerhin will die Stadt die Invaders unterstützen und eine für alle Seiten befriedigende Lösung in dem Konflikt zu ermöglichen:
Die Stadt wird die Gremien ordnungsgemäß beteiligen und den Invaders bei der Ersatzfläche in der Zeppelinstraße im Rahmen ihrer Möglichkeiten behilflich sein, um eine für alle Seiten befriedigende Lösung in dem Konflikt zu ermöglichen. Über die Frage der Umwandlung zu einem Erbbaurecht entscheidet ohnehin letztlich der Rat.
Helge Miethe, Pressesprecher Stadt Hildesheim

Einen Eingang haben die Hildesheim Invaders aktuell nicht. Foto: Maximilian Willke

Unterstützung der Stadt erhofft sich Invaders-Vorsitzender Meyer nun wirklich, schließlich haben die Invaders in der Vergangenheit der Stadt auch des Öfteren geholfen:

Bei Kampagnen waren wir immer gut für Bilder, wir sind gespannt ob wir jetzt unterstützt werden – für die Stadt haben wir immer viel getan.
Jan-Hendrik Meyer
Am Mittwoch soll es ein Gespräch zwischen den Invaders und Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer geben. Der OB will sich anschließend wohl auch mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen, wie es der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung zu entnehmen war. 
Immerhin scheinen die Invaders auch in schweren Zeiten weiterhin eng zusammen zu stehen und das Erscheinungsbild der Football-Familie zu wahren. Es wurde eine Petition, zur Erhaltung des Homefields, ins Leben gerufen, bei der sich am Dienstag bereits über 2.500 Leute eingetragen hatten:
Diese Petition dient auch der Aufmerksamkeit. Die Leute sollen mitbekommen, dass wir unseren Platz verlieren. Wir wollen zeigen, eine breite Masse ist damit nicht einverstanden.
Jan-Hendrik Meyer

Eins wollte der Vorsitzende auch noch los werden, gerade im Hinblick darauf, dass es wohl auch Kritiker des Homefields gegeben haben soll:

Selbst die Leute die sagen es wäre ein Acker, das stimmt ja gar nicht – das war ein 1A-Platz – da gibt es eine vernünftige Drainage, der ist durchwurzelt, selbst wenn da mal etwas aufgerissen war nach einem Spiel, ist das zugewachsen – der Platz war für unsere Zwecke einfach ideal.
Jan-Hendrik Meyer

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