Pressegespräch vom HC Eintracht

"Wir betreiben den Aufwand nicht für die Bikinifigur" - Murawski, Deutsch und Bartz stehen Rede und Antwort

13. September 2022, 12:25 Uhr

V.l.n.r. Kevin Bartz (Nachwuchskoordinator), Daniel Deutsch (Trainer) und Martin Murawski (Sportdirektor). Foto: Paul Wolfinger

Am heutigen Dienstag lud der Handball Drittligist HC Eintracht Hildesheim zum Pressegespräch ein. Vor Ort waren vom HC Sportdirektor Martin Murawski, Trainer Daniel Deutsch und Nachwuchskoordinator Kevin Bartz, die sich den Fragen der anwesenden Pressevertreter stellten. Themen waren neben dem anstehenden Spiel gegen HaSpo Bayreuth auch die zurückliegende Saisonvorbereitung, das Saisonziel und der Start des neuen Jugendkonzeptes. 

Heimauftakt gegen HaSpo Bayreuth

Am Sonntag, den 18.09.2022, geht es für die Handballer des HC Eintracht Hildesheim endlich los mit der neuen Saison. Um 17 Uhr ist in der Volksbankarena Anwurf gegen HaSpo Bayreuth, der bis jetzt seine beiden Spiele gegen den Oranienburger HC und die Füchse Berlin Reinickendorf II knapp verlor. "Das waren aber auch zwei richtig starke Gegner, die Bayreuth bis jetzt hatte und sie haben die Spiele durch ihre Kampfbereitschaft lange offengehalten", gab Trainer Daniel Deutsch zu bedenken.

Warum manche Vereine schon zwei Spiele absolviert haben und die Eintracht kein einziges, erklärte wiederum Sportdirektor Martin Murawski: "Im Juli haben wir den Rahmenspielplan des DHB bekommen. Dann müssen wir schauen, wie es mit der Hallenbelegung aussieht. Wir sind ja nun mal nicht die einzigen, die in der Volksbankarena aktiv sind." So müsse sich der HC auch danach richten, wann die Halle beispielsweise durch die Helios GRIZZLYS oder andere Veranstaltungen bereits belegt sei. "Wir müssen dann den ganzen Spielplan bis Mai oder sogar Juni durchplanen und so kommt auch unser verzögerter Saisonstart zustande", so Murawski weiter. Der 10./11. September wäre aber so oder so spielfrei gewesen.

Gegen Bayreuth erwartet der Ex-Profi rund 1300 Zuschauer. Es seien 350 Dauerkarten verkauf und alle Inhaber hätten eine zusätzliche Karte für das erste Saisonspiel bekommen. Zudem wurden mit den Fußballern des VfV Hildesheim (spielt am Samstag in Emden), den Invaders und den GRIZZLYS auch anderen Mannschaften zum Zuschauen eingeladen. Und auch die anderen Mannschaften von Eintracht Hildesheim seien eingeladen worden. Der HC wolle zu der alten Geschlossenheit innerhalb des Vereins und der Stadt zurückfinden - und die Halle soll natürlich im besten Fall voll sein. 
Problematisch sei dabei aber die Entwicklung seit der Corona-Pandemie. Zuschauerzahlen seien überall rückläufig, selbst ein Heimspiel des THW Kiel sei zuletzt nicht ausverkauft gewesen - vor drei Jahren war das undenkbar. Die Handballer seien angewiesen auf die Zuschauer, damit die Volksbankarena wie früher zum Hexenkessel wird. "Das ist momentan mit die größter Herausforderung für uns", so Murawski.

Vorbereitung und Personalien - Wer spielt neben dem ewigen Lothar von Hermanni?

Martin Murawski (links) und Daniel Deutsch (rechts) hatten sichtlich Spaß bei den Fragen. Foto: Sportnews Hildesheim

Ein großes Thema der Pressekonferenz war natürlich auch die zurückliegende Vorbereitung. Hier übernahm insbesondere Daniel Deutsch das Wort. Nach ihm seien die zehn Wochen Vorbereitung sportlich gesehen ohne echten Wettkampf beinahe schon zu lange gewesen. "Aus Potsdam kam schon die Frage, ob wir überhaupt noch in die Saison einsteigen", äußerte sich Deutsch mit einem Lachen. Auf der anderen Seite seien zehn Wochen aber auch eine kurze Zeit, um die Mannschaft komplett neu zu formen und einzustellen. Auf dem Zettel des Trainers stehe noch genug, was verbessert werden könnte. "Grundsätzlich sind wir aber sehr zufrieden mit der Vorbereitung. Die Jungs haben super mitgezogen und wir konnten schon einiges verbessern und entwickeln", so der Neu-Trainer.

 
Das Hauptziel der Vorbereitung sei eine aggressivere und kompaktere Abwehr gewesen. Und natürlich das schnelle Umschalten nach Ballgewinnen oder Gegentoren. Die sogenannte zweite Welle oder schnelle Mitte, die durch eine Regeländerung zur neuen Saison noch besser umzusetzen sein könnte. Musste früher noch der Spieler nach einem Tor mit dem Ball zur Spielfortsetzung auf dem Mittelpunkt stehen, gibt es zur neuen Saison einen Mittelkreis mit vier Metern Durchmesser, in der sich der Spieler beim Anwurf befinden muss. Mit Niko Tzoufras verlor der HC vielleicht einen der besten Spieler der 3. Ligen auf diesem Gebiet.

Ersetzen soll Tzoufras unter anderem Moritz Schade, der nach einem starken Start in Hildesheim am Ende der letzten Saison etwas nachließ. Deutsch gab aber ein klares Statement zu seinem bulligen Kreisläufer ab:
Moritz ist unser klarer Abwehrchef und bildet mit Philipp Wäger momentan den Mittelblock. Er bringt eine gewisse Aggressivität und Emotionalität mit, die mir richtig gut gefällt. Er hat sich auch schon weiterentwickelt, ist schneller auf den Beinen und bringt uns damit sowohl in der Abwehr als auch im Angriff voran.
Tzoufras sei zwar vor allem offensiv nicht eins zu eins zu ersetzen, aber Schade sei auf einem sehr guten Weg. Natürlich brauche er aber auch mal eine Pause, wenn er sowohl im Mittelblock als auch am Kreis agiert. "Das sind die beiden kräftezehrendsten Positionen auf dem Feld, das hält man nicht 60 Minuten durch."
Selbstverständlich wollte Deutsch nicht schon alles für das anstehende Spiel verraten. Der Kader ist momentan komplett zusammen und es gibt - stand jetzt - keinen einzigen Ausfall zu beklagen. Unter anderem auf der Torhüterposition sei der HC völlig ausgeglichen besetzt:
Mit Konstantin Madert und Leon Krka haben wir zwei super Torhüter, die eine unterschiedliche Art beim Halten haben. Wenn ich also einen neuen Torwart bringe, müssen sich die Gegner neu einstellen, was ein echter Vorteil sein kann. Ich sehe die beiden als Gespann und habe keine klare Nummer eins benannt.
Klar dürfte aber sein, dass der von Deutsch ernannte Kapitän Lothar von Hermanni startet, der "einfach super konstant auf einem hohen Niveau agiert und die Mannschaft führen kann." Neben ihm dürften Moritz Schade am Kreis, Tobias Myrbakk auf der Spielmacherposition und René Gruszka auf Rechtsaußen gesetzt sein. Vor allem über Myrbakk äußerte sich Deutsch durchweg positiv. Er bringe sich fantastisch ein und sei trotzt der Sprachbarriere kommunikativ. Auch der kurzfristige und letzte Neuzugang, der ukrainische Juniorennationalspieler Mykyta Litvinenko, integriere sich gut, auch wenn es bei ihm größere Probleme bei der Kommunikation gebe:
Mykyta spricht neben ukrainisch nur ein bisschen englisch. Mit Handy und Google Übersetzer klappt das aber wunderbar. Im Training ist mein Co-Trainer Chris Meiser quasi sein Schatten und versucht, ihm möglichst viel zu übersetzen. Mytykas Vorteil ist, dass er ein starker Spieler im Eins-gegen-Eins ist und man ihn nur in gute Situationen bringen muss. Ich bin zuversichtlich, dass er noch sehr wertvoll für uns wird.
Zudem gebe es im Umfeld einige Personen, die bei der Integration helfen würden. Zudem wird der junge Ukrainer wohl einen Deutschkurs an der Volkshochschule besuchen. Die Sprache im Training sei weiterhin deutsch und man versuche, den anderssprachigen Spielern möglichst viel simultan zu vermitteln.

"Wir betreiben den Aufwand nicht für die Bikinifigur"

Zum Saisonziel wurde sich klar geäußert. Zwar gebe der HC kein deutliches Ziel aus, der Trainer positionierte sich aber trotzdem eindeutig:

Wir betreiben diesen Aufwand ja nicht für die Bikinifigur. Ich komme gerade von einer Früheinheit und selbst da hängt sich jeder voll rein. Die Spieler haben im Trainingslager ein klares Saisonziel definiert, was mich als Trainer auch glücklich gemacht hat. Nach Außen werden wir das aber nicht kommunizieren.
Mittelfristig müsse es der Anspruch des HC sein, in die 2. Liga aufzusteigen. Die aktuelle Form sei aber schwer einzuschätzen, weil noch kein einziges Spiel unter Wettkampfbedingungen erfolgt ist. Erst in den ersten Punktspielen werde man sehen, wo das Team aktuell steht und was es zu verbessern gilt. Die Liga sei ausgeglichen und die Favoriten vom Oranienburger HC, Aue, Leipzig II, Erlangen II und auch die Füchse Berlin II müssten geschlagen werden, wenn man zur Spitze der Liga gehören will. Insgesamt sei die Staffel ausgeglichener als im letzten Jahr.
Schlussendlich habe der HC vor dem ersten Spiel vielleicht den Vorteil, dass man sich die Gegner in den ersten beiden Spielen schon anschauen konnte. "Allerdings haben die auch keine Anfangsnervosität mehr, die wir vielleicht noch ablegen müssen", gab Deutsch zu bedenken.

Die Jugend wieder im Fokus

Mit Kevin Bartz war auch der neue Jugendkoordinator des HC anwesend. Er berichtete über die ersten Entwicklungen der Jugendabteilung. Man hätte einen guten Start hinter sich und schon viele Spieler integrieren können. Alle würden über den Tellerrand hinausblicken und die Unterstützung der Trainer sei bisher großartig. Auch der Austausch zwischen der ersten Mannschaft und der U23 sei gut. Man könne intern schauen, wer wo aushelfen könnte und wie man die Belastung am besten steuert. Die Trainings- und Spielzeiten seien optimal verteilt, um sich bestmöglich zu ergänzen.


Auch Deutsch äußerte sich zu dem Thema. Die erste Mannschaft sei immer das "Zugpferd", aber eigentlich sei Bartz noch wichtiger als er selbst. Zukünftig müsse sich beim HC wieder vielmehr auf die Jugend konzentriert werden, damit der Verein langfristig planen und konkurrenzfähig sein könne. "Das ist alternativlos, wenn man Spitzenhandball betreiben will", brachte Deutsch es auf den Punkt.

Am Sonntag startet der HC Eintracht Hildesheim in die Saison und hofft, einen guten Saisonstart hinzulegen. Ob im ersten Spiel bereits vieles umgesetzt werden kann, wird sich zeigen. Aber eines ist klar: Es weht ein frischer Wind bei der Eintracht.

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