Am Freitagabend wartet auf die Handballfans der Region eines der besonderen Spiele der noch jungen Regionalliga-Saison: Die SV Alfeld empfängt die Sportfreunde Söhre zum Derby. Auf dem Papier gehen die Gäste als Favorit in die Begegnung, doch gerade die bisherigen Auftritte beider Mannschaften zeigen, dass in diesem Duell einiges möglich sein dürfte.

Spiele, in denen mehr möglich gewesen wäre

Die SV Alfeld musste sich zum Saisonstart bereits mit zwei qualitativ starken Gegnern messen. Auch wenn die erhofften Ergebnisse bislang ausblieben, konnte die Mannschaft von Trainer Leo Meomartino über längere Phasen zeigen, dass sie auf Regionalliga-Niveau mithalten kann. Gerade deshalb soll im Derby nun der nächste Schritt gelingen.

Meomartino weiß allerdings um die Schwere der Aufgabe. „Auch dieses Spiel wird für uns wieder eine schwierige Aufgabe. Wir gehen erneut nicht als Favorit in die Partie“, sagt der Alfelder Trainer. Für ihn gehört Söhre aufgrund der vorhandenen Qualität zu den stärksten Mannschaften der Liga.

Gleichzeitig haben die ersten Saisonspiele bei der SV Alfeld das Gefühl hinterlassen, dass mit etwas mehr Konstanz noch mehr möglich gewesen wäre. Kleine Fehler und schwächere Phasen verhinderten bislang, dass sich die Mannschaft für ihre Leistungen belohnen konnte. Genau dort möchte der Aufsteiger gegen Söhre ansetzen.

„In den ersten beiden Spielen gegen sehr gute Mannschaften haben wir bereits gezeigt, dass wir gut mithalten können. Wenn wir den einen oder anderen Fehler noch abstellen, bleiben wir vielleicht noch länger im Spiel – und dann hat man in jeder Partie die Chance, etwas mitzunehmen“, erklärt Meomartino.

Söhre mit großer Qualität aus der 3. Liga

Die Rollenverteilung vor der Saison war vergleichsweise eindeutig. Nach dem Abstieg aus der 3. Liga wurden die Sportfreunde Söhre als einer der großen Favoriten der Regionalliga gehandelt. Ein wesentlicher Grund dafür ist die personelle Kontinuität: Der Großteil des Drittliga-Kaders konnte zusammengehalten werden.

Auf der Torhüterposition kam mit Niklas Mellmann sogar noch zusätzliche Qualität hinzu. Mellmann wechselte aus Braunschweig und bringt ebenfalls Drittliga-Erfahrung mit.

„Söhre ist schließlich eine Mannschaft, die aus der 3. Liga abgestiegen ist und sich am Ende fast noch gerettet hätte. Zudem konnte die Mannschaft zusammengehalten werden“, sagt Meomartino und sieht Parallelen zu einem der bisherigen Alfelder Gegner: „Man kann das ein Stück weit mit Bissendorf vergleichen, die ebenfalls qualitativ sehr gute Spieler in ihren Reihen haben.“

Besonders der Rückraum der Sportfreunde stellt die Alfelder Defensive vor eine anspruchsvolle Aufgabe. Dazu kommen gefährliche Außenspieler und ein stark besetztes Torhütergespann. „Der Rückraum ist top besetzt, sie haben starke Außenspieler und mit Mellmann im Tor noch einmal enorme Qualität dazubekommen“, so Meomartino.

Deutlicher Dämpfer für die Sportfreunde

Der Saisonstart der Söhrer zeigte allerdings auch, dass der Favorit nicht unangreifbar ist. Zum Auftakt feierten die Sportfreunde noch einen deutlichen Sieg mit acht Toren Vorsprung gegen den VfL Hameln. Im zweiten Saisonspiel folgte anschließend eine Überraschung.

Gegen den Northeimer HC musste sich Söhre deutlich mit 28:36 geschlagen geben. Damit reist die Mannschaft nach einer Partie nach Alfeld, mit der die Sportfreunde selbst überhaupt nicht zufrieden waren.

„Unsere Leistung gegen Northeim war wirklich schwach. Mit so einer hohen Anzahl an technischen Fehlern und Fehlwürfen ist es grundsätzlich schwer, ein Spiel zu gewinnen“, sagt Söhres Yannik Ihmann selbstkritisch.

Vor allem im Angriff erwartet er deshalb eine deutliche Steigerung. „Diese Fehler müssen wir dringend abstellen und mit mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit im Angriff agieren. Dazu wollen wir an unsere Abwehrleistung aus der ersten Halbzeit gegen Northeim anknüpfen.“

Für die SV Alfeld könnte sich damit die Möglichkeit ergeben, von Beginn an Druck auf den Favoriten auszuüben und mögliche Unsicherheiten beim Gegner auszunutzen.

Söhre warnt vor Alfelds individueller Qualität

Von einer einfachen Aufgabe beim Aufsteiger wollen die Sportfreunde ohnehin nichts wissen. Das Derby, die erwartete Kulisse und die spielerischen Möglichkeiten der Alfelder sorgen auch auf Söhrer Seite für großen Respekt.

„Uns erwartet definitiv ein schweres Spiel in einer vollen Halle gegen eine Mannschaft mit vielen Spielern, die über eine hohe individuelle Qualität verfügen“, betont Ihmann.

Besonders einen Alfelder Spieler haben die Gäste dabei im Blick: Matteo Ehlers. Der erfahrene Rückraumspieler übernimmt im Spiel der SV Alfeld viel Verantwortung und kann Partien mit seiner individuellen Klasse entscheidend prägen.

„Mit Matteo Ehlers hat Alfeld natürlich einen Spieler in ihren Reihen, der viel Verantwortung trägt und ein Spiel alleine entscheiden kann. Von seiner Erfahrung profitieren auch die Mitspieler“, erklärt Ihmann. Gleichzeitig sieht er die Stärke der SV Alfeld nicht nur bei einzelnen Akteuren: „Alfeld verfügt über eine gute Spielanlage und geht mit viel Tempo nach vorne.“

Damit dürfte insbesondere das Rückzugsverhalten der Sportfreunde eine wichtige Rolle spielen. Gelingt es den Alfeldern, nach Ballgewinnen schnell umzuschalten und ins Tempospiel zu kommen, könnten sie die Gäste vor Probleme stellen.

Volle Halle und besondere Derby-Atmosphäre erwartet

Zusätzliche Brisanz erhält die Begegnung durch die regionale Nähe der beiden Mannschaften. Die Sportfreunde rechnen mit zahlreichen eigenen Anhängern, gleichzeitig hofft die SV Alfeld auf eine lautstarke Unterstützung des heimischen Publikums.

„Wir freuen uns darauf, dass wir mit vielen Fans im Rücken ein Spiel in fremder Halle bestreiten werden, das macht das Ganze besonders“, sagt Ihmann.

Auch Meomartino setzt auf die Atmosphäre in eigener Halle. „Wir wollen aber natürlich auch in diesem Spiel versuchen, die Punkte zu holen“, betont der Alfelder Trainer. „Genau das wollen wir am Freitag versuchen. Außerdem hoffen wir auf die Unterstützung unserer Zuschauer in diesem Derby.“

Die Ausgangslage verspricht damit einen intensiven Handballabend: Auf der einen Seite steht die SV Alfeld, die nach zwei Auftritten gegen starke Gegner endlich ihre guten Phasen über die gesamte Spielzeit bestätigen möchte. Auf der anderen Seite reisen die hoch gehandelten Sportfreunde Söhre nach der deutlichen Niederlage gegen Northeim mit dem Ziel an, unmittelbar eine Reaktion zu zeigen.