Der Ball ruht

So gehen die Hildesheimer Fußballer mit der Pause um

Maximilian Willke
20. März 2020, 13:32 Uhr

Symbolbild - Foto: Maximilian Willke

Eine Woche der 'Spielpause' im Hildesheimer Fußball ist rum, vier weitere Wochen stehen noch bevor, womöglich sogar mehr. Wir haben uns bei einigen Trainern und Verantwortlichen umgehört: Wie schätzen sie die Lage ein? Wie vertreiben sie die Zeit? Wie wird es nach der Pause weitergehen? 

So schätzt man die Lage ein

"Es ist eine schwierige und zugleich ungewöhnliche Phase, weil sich die Abläufe im Tag sich komplett geändert haben“, zeigt sich Bavenstedts-Trainer Omar Fahmy emotional und fügt zugleich an: "Wir sind alle in der Pflicht den Empfehlungen der Ämter nachzukommen, weil die Situation durchaus unterschätzt wurde und wir nun dafür sorgen sollten, dass keine gravierenderen Folgen entstehen."
Es ist das zweite Wochenende, das aufgrund der Corona-Krise ohne Fußballbetrieb stattfindet. Für Ochtersums-Trainer Milano Werner ist der Fußball allerdings nicht mehr ganz so präsent: "In dieser Phase ist Fußball wirklich nur die schönste NEBENsache der Welt, es steht absolut der Mensch und die Gesundheit im Vordergrund. Wir dürfen nicht vergessen, dass die jüngeren Menschen, die das Virus aushalten und überstehen, dennoch als Überträger für die Risikogruppen fungieren. JEDER Bürger ist also verpflichtet, auch in seinem weiteren Alltag, sich an die empfohlenen Schutzmaßnahmen zu halten."
"Ich habe die Situation anfangs, wie so viele, erheblich unterschätzt. Sollten die Infektionszahlen weiterhin so exponentiell steigen werden wir vor einer sehr großen Herausforderung stehen, die wir alle vielleicht nicht abschätzen können", gibt sich Fabian Bodenstedt, Trainer des FC Ambergau Volkersheim, einsichtig.

Auf dem Klingenberg beim SV Blau Weiß Neuhof gab es vor knapp eineinhalb Wochen einen Verdachtsfall, der sich später als negativ herausgestellt hat. Dennoch hat man sofort Konsequenzen gezogen wie Co-Trainer Dennis Reimann erzählt: "Wir sind damit Verantwortungsvoll umgegangen, haben nicht auf den NFV gewartet und haben eigenständig den Trainings- und Spielbetrieb auch im Hinblick auf den gesamten Verein eingestellt. Wir wären ein großer 'Herd' gewesen und haben dementsprechend schnell gehandelt."

So wird trainiert/ sich fit gehalten

Foto: Maximilian Willke

Der Trainings- und Spielbetrieb als Mannschaft ist überall eingestellt, die Verantwortlichen und Trainer haben ihren Spielern grobe Pläne mit auf den Weg gegeben, um eine Grundfitness zu halten wie Adem Cabuk vom FSV Algermissen verrät: "Alle wurden mit Plänen versorgt, zwar können wir es nicht kontrollieren, aber ich bin mir sicher das unsere Jungs das auch gerne umsetzen. Einige haben sich dabei auch selbst tolle Dinge ausgedacht um nicht ganz auf null runter zufahren."
Dennis Reimann hat bei den 'Kirschen' an die eigene Moral appelliert: "Grundsätzlich können wir es keinem vorschreiben, aber wir haben an die Moral des Teams appelliert. Es würde jetzt auch keinen Sinn machen sich in Gruppen zu treffen. Wir arbeiten jetzt mit der Runtastic-App und die Jungs bekommen einige Vorgaben dazu. Solange der Spielbetrieb ausgesetzt ist, werden wir das so umsetzen."
"Da wir alle nicht wissen, wann und wie es weitergeht und damit die anstrengende und intensive Vorbereitung nicht gänzlich umsonst war, habe ich den Spielern einen individuellen Laufplan gegeben. Sie sollen sich im Bereich Ausdauer und Kraftausdauer 2-3-mal pro Woche selbst beschäftigen. Dieses selbstverständlich allein und nicht in Gruppen. Meine Spieler sind an dieser Stelle für sich selbst verantwortlich und ich vertraue ihnen da. Mehr ist aktuell leider nicht möglich. Aber, das kann ich versprechen, wird es danach sicherlich ausschließlich Einheiten mit dem Ball geben", so gibt Milano Werner den Ochtersumer-Kickern einen kleinen Anreiz.

Lösungen?

Foto: Maximilian Willke

In einem Thema sind sich alle einig: Es wird schwierig sein die Saison zu Ende spielen und noch schwieriger wird es sein eine Regelung zu finden, sollte die Saison abgebrochen werden. "Sollte sich die Lage bis Anfang Mai entspannt haben, denke ich dass die Saison bis zum 30.06 zu Ende gespielt wird. Da ich aber glaube dass die Spitze der Einschränkungen noch gar nicht erreicht ist, vermute ich mal dass das sehr eng wird. Was dann passiert, das weiß ich natürlich auch nicht", versucht Lamspringes-Trainer Michael Menge eine leichte Prognose.
Benjamin Sage, Co-Trainer des MTV Almstedt, hofft die Saison zu Ende spielen zu können, äußert gleichzeitig auch einen Lösungsansatz: "In erster Linie hoffen wir das die Saison noch irgendwie zu Ende gespielt werden kann. Der Glaube daran ist aber nicht groß. Vielleicht sollte man in diesem Fall den Tabellenersten aus jeder Liga aufsteigen lassen. Absteiger sollte es nicht geben. Dann hätte man nächste Saison zwar mehr Spiele, aber man hat auch lange Pause gehabt."
Alexander Aue, Manager der Spvgg Hüddessum-Machtsum, hält es nahezu für unmöglich eine geeignete Lösung im Falle eines Abbruchs zu treffen: "Es wird fast unmöglich sein, eine sportlich faire Lösung, bezüglich Auf- und Abstieg zu finden."
"Es hat absolute Priorität, dass wir das ganze überwinden. Wenn das der Fall ist, dann hoffe ich dass wir zeitnah die Saison sportlich fair zu Ende zu spielen. Wir würden uns wünschen, dass der Spielbetrieb solange ausgesetzt wird wie es eben sein muss und man anschließend über die normalen Zeitgrenzen einer Spielzeit hinaus die Saison zu Ende spielt und es in Folgejahren versucht zu kompensieren", äußert Dennis Reimann einen weiteren Vorschlag.
Adem Cabuk möchte dagegen nicht in der Haut der Entscheider stecken: "Man wird es nicht allen recht machen können, es wird immer Gewinner und Verlierer geben. Ich mache mir schon Gedanken, aber das sind Sachen die ich nicht beeinflussen kann. Ich selbst wüsste zurzeit keine Lösung und will auch nicht in der Haut derer stecken, die sie finden müssen."
Milano Werner hält einen flammenden Appell: Ich glaube, dass man in dieser Situation fast nur falsche Entscheidungen treffen kann und beneide den Verband in seiner Aufgabe an dieser Stelle nicht. Egal wie, man wird so oder so nicht jedem gerecht: Verlängert man, wird es sicherlich eine hohe Belastung für Teams, Vereine, Plätze und Schiedsrichter durch nicht vermeidbare Wochenspiele. Zudem würde es die Sommerpause massiv verkürzen, wenn es überhaupt eine gibt. Und was ist mit den Mannschaften, die insgesamt oder zum Teil eine Abschlussfahrt für nach dem eigentlichen Saisonende, also im Juni, gebucht haben?? Bricht man ab und annulliert, wird es keine Auf- und Absteiger geben. Das ist schön für Teams, die unten stehen. Aber was ist mit denen, die oben stehen und bis hierher eine bisweilen überragende Saison gespielt haben? Diese Mannschaften werden es sicher nicht so einfach hinnehmen...
Bricht man ab und sagt, die aktuellen Tabellenführer steigen auf und es gibt keine Absteiger, dann würden mit Sicherheit die knapp Zweit- und/oder Drittplatzierten sehr unzufrieden sein. Außerdem müssten die Ligen alle aufgestockt werden, was wieder zu mehr Aufwand in der nächsten Saison führen würde.
Alles in allem halte ich aber, sofern der Spielbetrieb Ende April/Anfang Mai wieder aufgenommen werden kann, eine Verlängerung der Saison für die fairste und sinnvollste Variante.
Wir müssen einfach mehr Verständnis füreinander aufbringen und alle an einem Strang ziehen - mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, aber auch mit allen Konsequenzen!!
In diesem Sinne, handelt verantwortungsbewusst und bleibt gesund! WIR schaffen das!"

Jetzt zählt die Solidarität

Ähnlich wie die Verantwortlichen denken auch wir, dass es am Ende immer Gewinner und Verlierer geben wird. Das Wichtigste ist aktuell jedoch nicht der Fußball, sondern UNSERE GESUNDHEIT! Achtet auf euch und eure Mitmenschen, haltet euch an Vorgaben und habt später Verständnis für Entscheidungen des NFV. Auch diesen Personen fallen die Entscheidungen sicher nicht leicht. 

Autor: Maximilian Willke

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