Vom 08. bis 11. Januar steht die Halle 39 ganz im Zeichen der Sonnentaler Hallenmasters. Neben hochklassigem Hallenfußball dürfen sich die Zuschauer auch auf ein besonderes Einlagespiel freuen: Die Allstars der „Viva con Agua“-Initiative treffen auf eine Sonnentaler-Allstars-Mannschaft.

Mit dabei ist an diesem Tag auch Pascal „Qualle“, der sich über Social Media wie kaum ein anderer für mehr Respekt gegenüber Schiedsrichtern einsetzt. Der langjährige Unparteiische wird nicht nur selbst ein Spiel leiten, sondern auch seine wichtige Botschaft nach Hildesheim tragen.
Sportnews-Redakteur Felix König hat mit ihm gesprochen.

Qualle, du stehst wie kaum ein anderer für mehr Respekt gegenüber Schiedsrichtern. Woher kommt dieser starke Antrieb?

Zum einen daher, dass ich selbst seit mittlerweile zwölf Jahren Schiedsrichter bin. In dieser Zeit habe ich natürlich sehr viel erlebt, leider auch viele negative Dinge. Und diese prägen einen oft stärker als die positiven Erlebnisse.
Mein Antrieb kommt hauptsächlich aus genau diesen negativen Erfahrungen. Sie haben mich dazu gebracht, etwas verändern zu wollen.

Gab es ein konkretes Erlebnis auf dem Platz, das für dich der Auslöser war, öffentlich für mehr Fairness im Fußball einzustehen?

Ein einzelnes Schlüsselerlebnis gab es eigentlich nicht.
Ich erinnere mich aber an ein D-Jugend-Spiel, bei dem es keine Schiedsrichterkabine gab. Es herrschte viel Chaos, und am Ende wurde ich tatsächlich in eine Dixi-Toilette zum Umziehen geschickt. Das war nicht der Hauptauslöser, aber da haben die Gedanken angefangen, dass man über solche Themen vielleicht auch öffentlich sprechen sollte.

Warum hast du dich entschieden, diesen Weg über Social Media zu gehen und nicht nur auf dem Platz zu wirken?

Social Media war vor zwei, drei Jahren im absoluten Trend und wird es auch in den kommenden Jahren bleiben. Über Social Media erreicht man vor allem junge Menschen.
Genau dort sehe ich die größte Chance: Menschen zu prägen, Einstellungen zu verändern und Respekt zu vermitteln. Das war eine meiner größten Motivationen.

Wie haben Spieler, Trainer und Kollegen aus dem Schiedsrichterwesen auf deine öffentliche Rolle reagiert?

Hauptsächlich sehr positiv.
Natürlich gibt es immer einzelne Stimmen, die negativ reagieren, auch aus der Schiedsrichterszene selbst. Das gehört leider dazu. Aber insgesamt ist das Feedback überwiegend positiv.

Was läuft im Amateurfußball aus deiner Sicht aktuell besonders schief im Umgang mit Schiedsrichtern?

Ganz klar: der Respekt.
Aber nicht nur im Fußball, sondern in der gesamten Gesellschaft. Fußball ist letztlich ein Spiegel der Gesellschaft.
Man merkt das schon, wenn man Kindern heute zuhört oder durch Schulen geht. Themen wie Respekt und Mobbing sind extrem präsent. Das ist eines der Hauptprobleme.
Man muss anfangen, dagegen etwas zu tun, auch wenn das leichter gesagt als getan ist. Härtere Strafen können ein Ansatz sein.

Du erreichst inzwischen hunderttausende Menschen. Spürst du, dass deine Arbeit tatsächlich etwas verändert?

Ja, auf jeden Fall.
Ich bekomme täglich viele Nachrichten. Von Schiedsrichtern, aber auch von Menschen, die mit Fußball eigentlich gar nicht viel zu tun haben. Das zeigt mir, dass die Botschaft ankommt.

Welche Verantwortung bringt diese Reichweite für dich mit, gerade gegenüber jungen Spielern und Schiedsrichtern?

Fakt ist: Ich bin ein Vorbild.
Und dieser Verantwortung muss ich gerecht werden, in dem, wie ich mich benehme, wie ich spreche, wie ich mich kleide. Darauf achte ich sehr bewusst. Das hat für mich absolute Priorität.

Was möchtest du Menschen sagen, die überlegen, Schiedsrichter zu werden, aber Angst vor Anfeindungen haben?

Die Angst kann ich niemandem nehmen und das will ich auch gar nicht. Angst zu haben ist normal und manchmal sogar gut.
Wichtig ist aber, nicht nur auf das Negative zu schauen. Ja, es gibt Anfeindungen. Aber es gibt auch unglaublich viele positive Momente im Schiedsrichterleben. Darauf sollte man den Fokus legen.

Gab es Momente, in denen selbst du ans Aufhören gedacht hast – und was hat dich dann doch weitermachen lassen?

Solche Momente kennt jeder.
Mein Manager sagt immer: Das Leben besteht aus Sonne und Regen und beides gehört dazu.
Wenn es bergab geht, rollt man schnell. Aber wenn man etwas nach oben bringen will, muss man schieben, kämpfen und schwitzen. Genau das gehört dazu. Wichtig ist, dass man dranbleibt.

Du bist bei den Sonnentaler Hallenmasters nicht nur zu Gast, sondern pfeifst auch selbst ein Spiel. Warum sind gerade solche Turniere wichtig für deine Mission?

Solche Turniere ziehen viele Menschen an und das ist extrem wertvoll.
Großen Respekt davor, was hier auf die Beine gestellt wird. Ich war noch nie in Hildesheim und freue mich sehr darauf. Dass auch viele bekannte Gesichter dabei sind, ist ein Vorteil, den man nutzen sollte.
Ich brauche keine großen Argumente, um bei solchen Turnieren dabei zu sein. Ich habe einfach riesigen Spaß daran.

Was macht für dich den besonderen Reiz eines Hallenturniers wie der Sonnentaler Hallenmasters aus?

Ich liebe es einfach zu pfeifen und auf dem Platz Verantwortung zu übernehmen.
Ich weiß selbst, wie anstrengend es ist, solche Turniere zu organisieren. Deshalb habe ich großen Respekt vor dem, was hier geleistet wird und freue mich riesig darauf.

Was wünschst du dir von Spielern, Zuschauern und Vereinen bei den Hallenmasters im Umgang mit Schiedsrichtern?

Respekt – das ist die oberste Priorität.
Es geht nicht um mich als „Qualle“. Es geht um alle Schiedsrichter. Jeder Unparteiische muss gleich behandelt werden. Das ist mir extrem wichtig.