Die Hildesheimerin Julia Meißner hat mit der deutschen Studierenden-Nationalmannschaft bei der World University Championship Futsal in Warschau für eine Überraschung gesorgt. Das neu zusammengestellte deutsche Team erreichte bei der Studierenden-Weltmeisterschaft erstmals das Halbfinale und beendete das Turnier auf einem starken vierten Platz.

Von der Oberliga auf die internationale Bühne

Für Meißner war die Teilnahme an dem internationalen Turnier alles andere als selbstverständlich. Die ehemalige Jugendspielerin des VfL Wolfsburg spielte anschließend für die Frauen von Eintracht Braunschweig und lief zuletzt für den 1. FC Sarstedt in der Oberliga auf. Über größere Erfahrungen im Futsal verfügte sie vor ihrer Berufung in die deutsche Auswahl jedoch noch nicht. Die Hildesheimerin erklärt gegenüber Sortnews:

In Deutschland ist Futsal bei den Frauen noch nicht weit verbreitet. Bei uns bestand die Mannschaft vor allem aus Spielerinnen von den Universitäten aus Köln oder Münster und Spielerinnen wie mir, die noch gar keine Erfahrung im Futsal hatten.

Der Weg in die Studierenden-Nationalmannschaft begann für Meißner erst wenige Monate vor der Weltmeisterschaft. Nach der Schule beschäftigte sie sich mit ihrer sportlichen und beruflichen Zukunft und meldete sich im Februar zu einem Probetraining beim Futsal-Team von Preußen Münster an.

Wenig später erhielt sie eine überraschende Nachricht. Der sportliche Leiter aus Münster, der gleichzeitig im Umfeld der Studierenden-Nationalmannschaft tätig ist, lud Meißner zu einem Sichtungslehrgang ein. Dort überzeugte sie trotz ihrer fehlenden Futsal-Erfahrung und erhielt anschließend die Zusage für die Weltmeisterschaft in Polen.

Vor der Teilnahme musste allerdings noch eine wichtige Voraussetzung erfüllt werden. Bei der World University Championship dürfen ausschließlich Spielerinnen zwischen 18 und 25 Jahren antreten, die an einer Hochschule eingeschrieben sind. Da Meißner zu diesem Zeitpunkt noch nicht an einer Universität registriert war, musste sie ihre Einschreibung kurzfristig organisieren.

Das musste ich dann erst einmal regeln, was sehr stressig war. Ich habe aber alles rechtzeitig geschafft und konnte dabei sein.

Zur Vorbereitung absolvierte das deutsche Team zunächst einen gemeinsamen Trainingstag in Münster sowie ein kurzes Trainingslager in Frankfurt.

Starker Auftakt gegen den späteren Weltmeister

Bei der Weltmeisterschaft in Warschau traf Deutschland in der Gruppenphase auf Brasilien, den Libanon, Frankreich und Finnland. Gleich zum Auftakt wartete mit Brasilien der große Turnierfavorit. Deutschland präsentierte sich mutig, ging im Spiel sogar in Führung und verlangte dem späteren Weltmeister bei der 2:4-Niederlage alles ab.

Anschließend steigerte sich die deutsche Mannschaft weiter. Gegen den Libanon gelang ein deutlicher 4:1-Erfolg, ehe auch Frankreich mit 2:0 bezwungen wurde. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Finnland erkämpfte sich das Team ein 2:2-Unentschieden.

Mit sieben Punkten belegte Deutschland hinter Brasilien den zweiten Platz der Gruppe und qualifizierte sich damit erstmals bei einer World University Championship für das Halbfinale. Dort wartete mit Portugal der Sieger der anderen Vorrundengruppe. Die Portugiesinnen setzten sich mit 3:0 durch und beendeten den deutschen Traum vom Einzug in das Finale.

Julia Meißner (Nr. 9) im Gruppenspiel gegen die finnische Nationalmannschaft.

Im Spiel um die Bronzemedaille traf Meißner mit ihrer Mannschaft auf Gastgeber Polen. Auch dort zeigte das deutsche Team eine engagierte Leistung, musste sich am Ende aber mit 0:2 geschlagen geben. Während Brasilien sowohl das Turnier der Frauen als auch das der Männer gewann, schloss Deutschland die Frauen-Weltmeisterschaft auf dem historischen vierten Platz ab. Meißner betonte aber:

Auf den vierten Platz können wir richtig stolz sein, weil viele der anderen Länder richtige Profis aus Futsal-Profiligen dabei hatten.

Zahlreiche Gegnerinnen verfügten bereits über Erfahrung in ihren jeweiligen A-Nationalmannschaften. Deutschland besitzt dagegen aktuell keine Frauen-Nationalmannschaft im Futsal und trat ausschließlich mit einer Auswahl von Studentinnen an.

Auch die strukturellen Voraussetzungen unterscheiden sich deutlich. Während der Frauen-Futsal in Ländern wie Brasilien, Portugal, Frankreich oder Polen fest etabliert ist, steckt die Sportart in Deutschland noch in der Entwicklung. In der Futsal-Regionalliga in Nordrhein-Westfalen treten mit Preußen Münster, den Panthers Köln und einem Team aus Essen lediglich drei Mannschaften gegeneinander an.

Umso höher ist der vierte Platz der deutschen Auswahl einzuschätzen. Acht Spielerinnen waren vor dem Turnier neu in die Mannschaft gekommen. Dennoch entwickelte sich das Team während der Tage in Warschau kontinuierlich weiter und überzeugte insbesondere durch taktische Disziplin, Lernbereitschaft und einen starken Zusammenhalt.

Für Meißner bleibt nicht nur der sportliche Erfolg in Erinnerung. „Insgesamt war es eine super Erfahrung, sich mit solchen Topspielerinnen auf internationalem Niveau zu messen“, sagt sie. Da sämtliche Mannschaften in einem gemeinsamen Hotel untergebracht waren, sei zudem ein enger Kontakt zu den Spielerinnen aus den anderen Nationen entstanden. „Wir hatten dadurch viel internationalen Austausch, das war ebenfalls sehr cool.“

Zukunft bei Preußen Münster

Nach der Weltmeisterschaft will Meißner ihren Weg im Futsal fortsetzen. Sie wird ein Studium in Münster beginnen und künftig für Preußen Münster in der Futsal-Liga auflaufen. Damit kann sie ihre ersten internationalen Erfahrungen nun auch regelmäßig im Vereinsalltag vertiefen.

Schon jetzt richtet sich ihr Blick auf die kommenden Aufgaben. Das nächste große internationale Turnier der Studierenden-Auswahl soll in zwei Jahren in Costa Rica stattfinden. Nach ihrem rasanten Aufstieg von einem Probetraining im Februar bis zur WM-Teilnahme im Juli dürfte die Hildesheimerin auch dort wieder zu den Kandidatinnen für den deutschen Kader gehören.

Bereits die Premiere in Warschau wird für Meißner jedoch unvergessen bleiben. Innerhalb weniger Monate entwickelte sie sich von einer Spielerin ohne Futsal-Erfahrung zu einer deutschen Nationalspielerin und wurde mit Team Studi zur viertbesten Studierenden-Mannschaft der Welt.