Auch bei der SG Schellerten/ Oedelum/Ottbergen ist nach der Saison eine echte Vereinslegende verabschiedet worden.

Abschied mit Stil

David Fricke tritt nach über 30 Jahren im Fußball künftig kürzer. Ganz weg ist er zwar nicht, doch seine Zeit als prägende Figur der ersten Herren ist vorerst beendet. Der Abschied hätte dabei kaum passender verlaufen können: Mit Meisterschaft und Aufstieg verabschiedete sich Fricke sportlich auf die wohl schönste Art.

„Es ist schon ungewohnt, jetzt nicht mehr Teil der Mannschaft zu sein und die Spiele nur noch von außen zu verfolgen“, beschreibt Fricke den Schritt. Dass der Abschied emotional werden würde, sei ihm bereits vorher bewusst gewesen.

Dass es dann so emotional wird, hat mich dann doch überrascht.

Als er ein letztes Mal in dieser Rolle für die SG auf dem Platz stand, gingen ihm viele Momente der vergangenen Jahre durch den Kopf. Vor allem die letzten beiden Spielzeiten hatten ihm gezeigt, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war. Knieprobleme machten Fricke zunehmend zu schaffen. „Schon in den letzten zwei Jahren habe ich gemerkt, dass es Zeit wird, kürzerzutreten“, erklärt er.

Angetrieben haben ihn all die Jahre der Spaß am Fußball, der Wettkampf und vor allem das Gefühl, gemeinsam mit den Jungs auf dem Platz zu stehen. Seine ersten Schritte machte Fricke bereits im Alter von drei Jahren, damals gemeinsam mit Alex Zwer in der G-Jugend des VfB Oedelum. Auch wenn die SG Schellerten/Oedelum/Ottbergen in ihrer heutigen Form erst seit zwei Jahren besteht, ist die Verbindung für Fricke besonders. „Die Jungs sind mir in der kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen“, sagt er.

Heimat, Freunde und Familie

Seine Wurzeln liegen tief im Verein. „Es ist mein Heimatverein, zudem bin ich hier sehr verwurzelt.“ Gerade deshalb kam ein Wechsel für ihn nie wirklich infrage. Fricke konnte immer mit seinen Freunden spielen, dazu passten für ihn die Werte, die ihm wichtig waren: Loyalität, Zusammenhalt und Teamgeist. „Das hatte ich hier immer“, bringt er es auf den Punkt.

Dass sich der Amateurfußball über die Jahre verändert hat, hat auch Fricke deutlich gespürt. Der Umgangston sei heute ein anderer. „Zu meinen ersten Herrenjahren wurden jüngere Spieler noch etwas härter rangenommen, als es heute der Fall ist“, erinnert er sich. Zum Glück seien aber auch Dinge geblieben, die den Amateurfußball ausmachen: die Zeit in der Kabine, das gemeinsame Bier nach dem Spiel oder Training und das Miteinander abseits des Platzes.

Sportlich hätte sein Abschied kaum besser laufen können. Mit Meisterschaft und Aufstieg verabschiedete sich Fricke erfolgreich aus seiner langjährigen Rolle. „Es hat schon gut gepasst, sich mit Meisterschaft und Aufstieg zu verabschieden.“ Ein anderer Ausgang im letzten Spiel hätte daran zwar nicht mehr viel geändert, schließlich stand die Mannschaft bereits vorher als Meister fest. Trotzdem war der erfolgreiche Abschluss für ihn ein perfekter Schlusspunkt: „Das hätte man wohl nicht besser planen können.“

Nach dem Abpfiff wurde es noch einmal besonders emotional. „Da ging mir direkt sehr viel durch den Kopf“, sagt Fricke. Dass Familie, Freunde und einige Spieler aus seiner aktiven Zeit vor Ort waren, bedeutete ihm viel. Auch die Reaktionen aus Mannschaft und Verein nahm er besonders wahr. Viele hatten ihn in den Wochen vor dem letzten Spiel noch zum Weitermachen überreden wollen. Nach dem Abschied selbst waren die Rückmeldungen dann durchweg positiv.

Vom aggressive Leader zum erfahrenen Kapitän

Innerhalb der Mannschaft entwickelte sich Fricke über die Jahre vom unbekümmerten jungen Spieler zu einer prägenden Führungspersönlichkeit. Bereits mit 20 Jahren wurde er Kapitän und blieb über lange Zeit ein wichtiger Orientierungspunkt. „Meine Jungs mussten sich schon einiges anhören damals. Da wurde der Ton auch mal rauer“, sagt er mit einem Schmunzeln. In den letzten ein bis zwei Jahren sei er allerdings deutlich ruhiger geworden.

Wichtig war ihm immer, dass jeder Mitspieler alles für die Mannschaft gibt. Fehler konnte er verzeihen, solange Einsatz und Haltung stimmten. Jüngeren Spielern wollte er vor allem Ehrgeiz, Wille und Widerstandsfähigkeit mitgeben. „Auch wenn es mal nicht so läuft, immer weitermachen und niemals aufgeben“, lautet eine seiner Botschaften.

Besonders geprägt haben ihn auf seinem Weg zwei Menschen. Zum einen seine Mutter, die ihn während seiner gesamten Karriere begleitet und kaum ein Spiel verpasst hat. Zum anderen Alex Zwer, mit dem Fricke 14 seiner 15 Saisons in der ersten Herren zusammengespielt hat. „Wir haben viele Höhen und Tiefen erlebt. Das schweißt zusammen“, sagt Fricke.

Sportlich bleiben ihm vor allem die beiden Aufstiege in die Kreisliga in Erinnerung. Schwierige Phasen gab es aber ebenfalls. Gerade Zeiten mit kleinem Kader und wenigen Spielern hätten gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt innerhalb der Truppe ist. Eine typische Kabinengeschichte möchte Fricke lieber nicht erzählen: „Was in der Kabine so passiert, lassen wir lieber auch mal da.“

Was er am meisten vermissen wird, ist schnell klar: die Zeit mit den Jungs in der Kabine. „Bei einem gemeinsamen Bier über Gott und die Welt zu quatschen, hat immer Spaß gemacht.“ Genau dieses Drumherum war für ihn über Jahre ein großer Teil des Fußballs.

Ein Abschied? Nicht ganz!

Die Entwicklung der SG bewertet Fricke positiv. Für die Zukunft wünscht er der Mannschaft zunächst eine gute Kreisligasaison. Dem Verein bleibt er ohnehin erhalten. Seit März ist Fricke 1. Vorsitzender des VfB Oedelum, außerdem wird er weiterhin in der zweiten Herren kicken. „Ganz weg bin ich also nicht“, stellt er klar.

Sein Alltag wird sich trotzdem verändern. Seine Freundin werde sich über die neu gewonnene Freizeit sicherlich freuen, sagt Fricke. Und auch er selbst kann dem neuen Abschnitt etwas abgewinnen: „Nicht mehr bei 30 Grad eine Vorbereitung absolvieren zu müssen“, sagt er lachend.

David Fricke verabschiedet sich damit nicht komplett vom Fußball, aber aus einer Rolle, die er über viele Jahre geprägt hat. Als Spieler, Kapitän, Führungspersönlichkeit und Vereinsmensch hat er Spuren hinterlassen. Der Abschied mit Meisterschaft und Aufstieg war deshalb nicht nur sportlich passend, sondern auch ein würdiger Moment für eine echte Vereinslegende.