Nach Meisterschaft, Pokalsieg und dem Aufstieg in die Oberliga Niedersachsen mussten die Frauen des 1. FC Sarstedt Frauen in ihrer ersten Oberliga-Saison direkt wieder den Gang in die Landesliga antreten. Verletzungssorgen, fehlende Konstanz und eine lange Negativserie prägten eine schwierige Spielzeit, aus der die Sarstedterinnen nun ihre Lehren ziehen wollen.

Als Doublesieger und Aufsteiger waren die Frauen des 1. FC Sarstedt Frauen im vergangenen Sommer voller Euphorie in ihre erste Oberliga-Saison gestartet. Meisterschaft und Pokalsieg hatten im Vorjahr für Begeisterung gesorgt, die Mannschaft galt als eingespielt und ambitioniert. Doch nur ein Jahr später steht der direkte Wiederabstieg aus der Oberliga Niedersachsen fest. Mit lediglich 13 Punkten und elf Zählern Rückstand auf den Vorletzten HSC Hannover verabschieden sich die Sarstedterinnen nach einer schwierigen und von vielen Rückschlägen geprägten Saison wieder in die Landesliga.

Zwischen Hallentriumph und Oberliga-Abstieg: Die schwere Saison der 1.FC Sarstedt-Frauen

Der Start in die Spielzeit verlief dabei alles andere als optimal. Die ersten drei Saisonspiele gingen allesamt verloren, ehe am vierten Spieltag beim 3:3 gegen BW Tündern der erste Oberliga-Punkt eingefahren wurde. Dennoch blieb die Mannschaft zunächst weiter auf der Suche nach Konstanz und Stabilität. Erst am sechsten Spieltag platzte der Knoten: Mit einem 2:1-Auswärtssieg beim TSV Limmer holte der FC die ersten drei Punkte der Saison. Es folgte die beste Phase der gesamten Spielzeit. Zunächst gewann Sarstedt das Derby gegen den PSV GW Hildesheim Frauen mit 2:0, anschließend gelang sogar ein 1:0-Erfolg beim HSC Hannover. Neun Punkte aus drei Spielen ließen die Hoffnung auf den Klassenerhalt plötzlich wieder aufleben.

Doch genau diese Hoffnung erhielt kurz darauf einen herben Dämpfer. Bis zur Winterpause setzte es sechs Niederlagen in Serie, wodurch die Mannschaft immer tiefer in den Tabellenkeller rutschte. Besonders bitter: Viele Partien gingen enger aus, als es die Tabelle am Ende vermuten ließ. Dennoch fehlte es den Sarstedterinnen oftmals an Konsequenz, Robustheit und der nötigen Kaltschnäuzigkeit in den entscheidenden Momenten.

Kapitänin Sara Kocak blickt trotz des schwierigen Saisonverlaufs auf eine anfangs optimistische Stimmung zurück: „Wir sind nach unserem Aufstieg mit einem positiven Gefühl in die Saison gegangen. Zwar hatten wir mit Sara Kocak und Elena Reinicke noch zwei Stammspielerinnen nicht an Bord, aber waren voller Vorfreude.“

Das klare Ziel sei dabei von Beginn an der Klassenerhalt gewesen. Doch bereits früh zeichnete sich ab, wie schwierig dieses Unterfangen werden würde. „Ich denke nach der Hinrunde war uns schon klar, dass diese Saison lang und zäh wird. Wir haben mit vielen Ausfällen zu kämpfen gehabt, die man im Frauenfußball so schnell nicht kompensieren kann“, erklärt Kocak. Besonders die personellen Probleme zogen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison. Hinzu kam eine aus Sicht der Kapitänin nicht optimale Wintervorbereitung: „Schon in der Wintervorbereitung hatten wir zu wenig Gas gegeben und zu viele Verletzte.“

Trotz der sportlichen Probleme sorgte die Hallensaison noch einmal für positive Schlagzeilen. Der Gewinn der Sonnentaler Hallenmasters wurde zu einem echten Highlight. Im Finale setzte sich Sarstedt gegen den Oberliga-Konkurrenten PSV GW Hildesheim durch. Der Turniersieg brachte neues Selbstvertrauen und Hoffnung für die Rückrunde.

Doch der Neustart nach der Winterpause misslang. Zunächst schied der FC im Pokal gegen Pfeil Broistedt aus, anschließend verlor die Mannschaft auch die ersten drei Ligaspiele des Jahres. Besonders schmerzhaft war dabei die Last-Minute-Derbyniederlage gegen den PSV GW Hildesheim. Erst im vierten Ligaspiel der Rückrunde gelang mit dem 2:1-Erfolg gegen den SV Wendessen der ersehnte Befreiungsschlag. Rückblickend sollte es jedoch der letzte Oberliga-Sieg und gleichzeitig auch die letzten Oberliga-Punkte der Saison bleiben.

Danach folgte der endgültige sportliche Absturz. Acht Niederlagen in Serie besiegelten den direkten Wiederabstieg. Vor allem die fehlende Konstanz und die Probleme in engen Spielen machten sich bemerkbar. Dabei sieht Kocak durchaus auch positive Ansätze im eigenen Spiel: „Die Enttäuschung war schon riesig, aber wir haben für uns gesagt, dass es manchmal eben so ist. Wir haben teilweise wirklich guten Fußball gespielt, auch wenn man das schwer auf der Tabelle sehen kann. Einige Teams haben uns immer wieder ein Lob ausgesprochen, doch viel kann man sich davon nicht kaufen.“

Die Kapitänin spricht dabei offen an, woran es ihrer Mannschaft in dieser Liga letztlich fehlte:

Wir waren teilweise zu ängstlich, wollten immer nur ,schön‘ Fußball spielen. Aber man wusste schnell, dass es in dieser Liga nicht darauf ankommt, sondern auf Kampf und Leidenschaft und davon hatten wir leider in dieser Saison zu wenig.

Trotz der großen Enttäuschung herrscht in Sarstedt aber keineswegs Resignation. Vielmehr soll der Abstieg nun als Chance für einen Neustart genutzt werden. „Manchmal muss man einen Schritt zurück machen, um wieder zwei nach vorne zu machen“, sagt Kocak. „Wir kannten es nicht zu verlieren und hatten die letzten Jahre viele Erfolge gefeiert. Nun ist es wichtig, dass wir als Team zusammenfinden und eine Einheit werden.“

Auch die Landesliga sieht die Kapitänin dabei keineswegs nur negativ: „Ich denke, dass uns die Landesliga trotzdem wieder gut tun wird. Es ist nämlich auch oft so, wenn kein Erfolg da ist, drückt dies auch ein wenig die Stimmung und den Spaß und das wollen wir nun zurückgewinnen.“

Einige Abgänge

Fest steht allerdings auch: Die Mannschaft wird sich im Sommer verändern. Zwar bleibt der Großteil des Teams zusammen, dennoch verabschieden sich gleich sechs Spielerinnen. Maja Dettmers zieht nach Berlin, Judith Hüfner nach Hamburg. Zudem beenden Mara Dauser, Sophie Lohmann und Florence Augath ihre Laufbahn, während Jennifer Norden bereits im Winter aufgehört hatte.

Pietsch hört auf

Auch auf der Trainerposition wird es Veränderungen geben. Stephan Pietsch wird künftig nicht mehr an der Seitenlinie stehen. „Das habt ihr richtig gehört. Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt, da wir der Meinung waren, dass einfach mal frischer Wind kommen muss“, erklärt Kocak. Gleichzeitig richtet sie aber auch dankende Worte an den scheidenden Coach: „Wir sind Stephan Pietsch aber sehr dankbar für seinen Einsatz und seinem Engagement, welches er zu jeder Zeit dem Team entgegen gebracht hat.“

Die Verantwortlichen arbeiten bereits intensiv an der Zukunft. „Die Planungen sind im Gange und es werden natürlich schon Gespräche geführt. Was dann dabei raus kommt, da lasst euch gerne überraschen“, verrät Kocak abschließend.

Nach dem direkten Wiederabstieg beginnt beim 1. FC Sarstedt nun also ein neuer Abschnitt. Die Oberliga erwies sich sportlich als Nummer zu groß, dennoch dürfte die Mannschaft aus dieser schwierigen Saison wichtige Erfahrungen mitnehmen. In der Landesliga soll nun wieder Stabilität einkehren und die Grundlage dafür geschaffen werden, irgendwann erneut den Angriff auf die Oberliga zu starten.