Ein neuer Ballfangzaun kostet im Kreis Hildesheim schnell einen vierstelligen Betrag. Bezahlt wird er meist aus Mitgliedsbeiträgen, dem Erlös des Sommerfests und dem Werbebanner eines Handwerksbetriebs aus dem Ort. Rund 600 Kilometer weiter südlich läuft das anders. Dort stellt ein Verein vergleichbarer Größe ein Gesuch beim Kanton, und das Geld dafür stammt aus einem Topf, den Lottospieler und Wettkunden füllen. Wie viel darin jedes Jahr zusammenkommt, überrascht selbst Funktionäre, die ihre eigene Vereinskasse genau kennen.

Woher das Geld im Schweizer Breitensport kommt

Die interkantonale Landeslotterie Swisslos schüttet ihren Reingewinn vollständig an die Kantone aus. Jeder Kanton verteilt seinen Anteil nach eigenem Schlüssel weiter. Im Kanton Zürich fließen 30 Prozent davon in den kantonalen Sportfonds. Auf die Spieleinsätze umgerechnet gehen damit rund zehn Rappen pro gespieltem Franken an den Sport.

Die Gesuche bearbeitet dabei nicht die Verwaltung allein. In Zürich übernimmt das der kantonale Dachverband für Sport, dessen Kommission sich aus Vertretern der Mitgliedsverbände zusammensetzt. Vereine beantragen dort Beiträge für Sportanlagen, Material und die Ausbildung ihrer Trainer. Ein neuer Kunstrasen läuft über dasselbe Verfahren wie ein Satz Ersatztrikots.

Für einen Dorfklub in der fünften Liga ist das ein planbarer Weg. Er muss keinen Sponsor überzeugen, sondern eine Kommission, und er weiß im Voraus, nach welchen Kriterien entschieden wird. Wie viel in diesem Topf landet, hängt allerdings davon ab, wie viel im Land gespielt wird.

Der Markt hinter den Einsätzen

Gespielt wird viel, aber weniger als zuvor. Swisslos wies für das Geschäftsjahr 2025 einen zu verteilenden Gewinn von 562 Millionen Franken aus. Aus dem Sportwettengeschäft allein stammten davon 109 Millionen Franken. Das ist der Teil, der entsteht, wenn jemand auf ein Spiel der Super League oder der Champions League tippt. Getippt wird auch an den Sportplätzen im Kreis Hildesheim, nur landet dieses Geld dort in ganz anderen Kassen.

Sichtbar wird dieser Markt für Schweizer Fans vor allem online. Neben den beiden konzessionierten Anbietern wirbt eine ganze Reihe ausländischer Plattformen um dieselbe Kundschaft, ohne der Schweizer Aufsicht zu unterstehen. Ein Blick auf die Übersicht der Fußballwetten von SportWetten.Pro.ch zeigt, wie breit dieses Angebot inzwischen geworden ist und wie unterschiedlich Lizenzen, Quoten und Auszahlungswege dabei ausfallen. Für den Breitensport ist der Unterschied keine Formsache. In die kantonalen Fonds fließt nur, was bei den konzessionierten Gesellschaften eingesetzt wird.

Die Aufsichtsbehörde der Kantone versucht deshalb seit Jahren, Angebote ohne Schweizer Zulassung über Netzsperren aus dem Markt zu drängen. Vollständig gelingt das nicht. Jeder Franken, der zu einem nicht konzessionierten Anbieter abwandert, fehlt am Ende in der Rechnung eines Sportamts.

Sinkende Einsätze, sinkende Beiträge

Diese Rechnung ist 2025 schlechter ausgefallen als im Jahr davor. Der Bruttospielertrag von Swisslos sank um 4,5 Prozent, der zu verteilende Gewinn lag 34 Millionen Franken unter dem Vorjahreswert. Für die Kantone bedeutet das weniger Mittel im Fonds, für die Vereine weniger bewilligte Gesuche oder kleinere Beiträge.

Einen Teil des Geldes erhält der nationale Sport direkt. Diese Mittel verteilt seit Anfang 2023 die Stiftung Sportförderung Schweiz, zuvor lag die Aufgabe bei der Sport-Toto-Gesellschaft. Zu den Empfängern gehören neben Swiss Olympic und der Sporthilfe auch der Schweizerische Fussballverband und der Eishockeyverband. Der Fußball im Land wird also an zwei Stellen gleichzeitig aus Spieleinsätzen mitfinanziert, oben im Verband und unten im Verein.

Unproblematisch ist dieses Modell nicht. Die Nachwuchsförderung eines Landes hängt damit an Umsätzen einer Branche, deren Risiken dieselben Kantone mit Präventionsgeldern abfedern müssen. In der Schweiz wird darüber offen diskutiert, weil jeder die Herkunft der Mittel kennt. Wer in Niedersachsen einen Zuschuss bekommt, weiß davon oft nichts.

Was davon nach Niedersachsen passt

Lotteriegeld erreicht deutsche Vereine ebenfalls, nur auf einem stilleren Weg. In Niedersachsen laufen die Mittel über die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung und den Landessportbund, dazu kommen Zuschüsse von Stadt und Landkreis. Der Kunstrasen, auf dem in Hildesheim trainiert wird, ist genau so entstanden. Auf dem Vereinsgelände selbst taucht die Herkunft des Geldes aber nirgends auf, und kaum ein Mitglied verbindet den eigenen Platz mit einem Lottoschein.

Den größeren Teil der Arbeit erledigen ohnehin andere. Regionale Betriebe finanzieren Trikotsätze und Bandenwerbung, wie der Blick auf das Sponsoring im Amateurfußball zeigt, und ohne ehrenamtliche Platzwarte und Betreuer stünde der Spielbetrieb still. Dieses Engagement würdigt der Vereinssport-Ehrenamtspreis, den Sportnews Hildesheim gemeinsam mit der EVI vergibt.

Ein Schweizer Verein hat diese Strukturen ebenfalls. Er hat zusätzlich eine Adresse, an die er sich wenden kann, wenn das Geld aus der Region nicht reicht.

Zwei Wege, ein Ergebnis

Reicher macht das Schweizer Modell die Vereine nicht automatisch. Es macht den Weg des Geldes nur sichtbar, vom Wettschein über den kantonalen Fonds bis zum bewilligten Gesuch. In Hildesheim bleibt die Frage praktischer und dringender. Sie lautet, wer den nächsten Trikotsatz bezahlt, und beantwortet wird sie am Ende wieder am Spielfeldrand.