Die Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte reicht Eintrachts Handballern nicht zum Sieg

Im vermeintlich entscheidenden Spiel um den Aufstieg empfingen die Handballer von Eintracht Hildesheim am Donnerstagabend den HC Empor Rostock in der Volksbankarena. Bereits weit im voraus waren nahezu alle Karten ausverkauft, sodass die Teams vor 2408 Zuschauern in die Halle einliefen.

Von Beginn an entwickelte sich eine rassige Begegnung. Eintracht erwischte den besseren Start und hatte die Chance, nach wenigen gespielten Minuten auf 3:0 davonzuziehen. Doch ein Fehlpass im Angriff sorgte für den 2:1 Anschlusstreffer. Danach lieferten beide Teams eine konzentrierte Leistung ab. Vor allem Eintrachts Abwehr um Adam Papadopoulos überzeugte und im Angriff fand man immer wieder die Lücke. Beim Stand von 4:4 verwarf Kapitän Lothar von Hermanni einen Siebenmeter Strafwurf, trotzdem konnten die Hildesheimer in der Folge eine Zwei-Tore-Führung herausspielen (7:5).

Doch ab diesem Zeitpunkt kippte das Spiel zugunsten der Gäste. Eintrachts Abwehr fand nun kein Mittel mehr gegen die Angriffe Rostocks und im Angriff konnte man keine echte Gefahr mehr entwickeln. Und wenn ein Spielzug doch einmal gut zu Ende gespielt wurde, war Rostocks Torhüter zur Stelle. Der Unterschied zwischen den Teams stand in dieser Phase zwischen den Pfosten. Jakub Lefan bekam so gut wie keinen Ball zu fassen – sein Gegenüber wuchs über sich hinaus. Lefan wurde daraufhin durch Paul Twarz ersetzt.
Beim Stand von 8:11 nahm Gerald Oberbeck sichtlich genervt die erste Auszeit. Er brachte mit Ole Zakrzewski seinen wieder genesenen Shooter ins Spiel. Doch dieser schloss daraufhin einmal harmlos ab und bekam in der Abwehr eine Zeitstrafe.

In der 27. Minute waren die Einträchtler am Tiefpunkt des Spiels angelangt: Ein Siebenmeter der Gäste ging an Twarz vorbei ins Netz und aus einer 7:5-Führung war ein 9:15-Rückstand geworden. Neben den Hildesheimer Spielern machten auch die beiden Unparteiischen eine schlechte Figur und zeigten keine klare Linie in ihren Entscheidungen. Bis zur Pause konnten Schieb und Gruszka jeweils noch ein Tor erzielen, sodass man “nur” mit einem Rückstand von vier Toren in die Halbzeit ging.

In der Kabine wurde es dann vermutlich richtig laut – aber die Ansprache von Oberbeck zeigte Wirkung. Sein Team kam wie verwandelt aus der Kabine und legte eine so beachtliche Moral und Körpersprache an den Tag, dass die Rostocker enorm eingeschüchtert agierten. Doch die großen Bemühungen der Eintracht wurden immer wieder durch merkwürdige Schiedsrichterentscheidungen im Keim erstickt.
Ein Beispiel: Rostock ist im Angriff und der Halblinke geht mit der Schulter voran in den Verteidiger. Stürmerfoul und Ballbesitz für Eintracht wäre die einzig richtige Entscheidung gewesen, doch die Schiedsrichter entschieden auf Siebenmeter und Zeitstrafe gegen Eintracht. Zu diesem Zeitpunkt hatte man trotzdem schon zwei Tore gut gemacht und lag nur noch mit 16:18 hinten (39.).

Im weiteren Verlauf war ein klarer Plan im Hildesheimer Angriff erkennbar. Immer wieder versuchte man Rene Gruszka in Szene zu setzen, was gut funktionierte. Er erzielte drei Treffer am Stück. Rostock hielt die Gastgeber allerdings kontinuierlich bei zwei bis drei Toren Abstand. Dann kam ein erneuter Wendepunkt im Spiel. Zur Abwechslung erhielt mal ein Rostocker eine Zeitstrafe (48.). Eintracht nutzte die Überzahl aus und erzielte durch Hermanni, Wiebe und zwei Mal Tzoufras vier Tore am Stück und ging mit 25:23 in Führung (53.). Nun war es der Rostocker Trainer, der entnervt die grüne Karte zog. Unter tobendem Applaus holte Oberbeck seine Schützlinge zusammen. Vor allem einen dürfte der Trainer dabei besonders gelobt haben: Adam Papadopoulos zeigte eine bärenstarke Leistung und ließ die Angreifer der Gäste verzweifeln.

Die letzten Minuten entwickelten sich zu einem echten Drama. Die Rostocker Spieler ließen sich nun besonders schnell fallen und wurden dafür belohnt. Eintracht war die letzten zehn Minuten gefühlt immer in Unterzahl. Die Schiedsrichter rückten zu diesem Zeitpunkt in den Mittelpunkt. In doppelter Unterzahl hielt Twarz einen Ball von Außen und verhinderte den Ausgleich. Beim Stand von 27:27 nahm Hildesheim die letzte Auszeit. Danach war noch genau eine Minute zu spielen und Eintracht musste alles auf eine Karte setzen, um den Sieg noch einzufahren. Allerdings befand man sich immer noch in Unterzahl und man brachte keinen zusätzlichen Feldspieler. Die Gäste verteidigten in dieser letzten Minute mit allem, was sie hatten und blieben dabei nicht immer fair. Eintracht kam zu keinem richtigen Abschluss mehr und auch der letzte Freiwurf führte nicht zum heiß ersehnten Siegtreffer.

Die beiden Teams stehen nun Punktgleich an der Tabellenspitze. Durch das deutliche Ergebnis aus dem Hinspiel (Eintracht verlor mit 10 Toren Unterschied) hat Rostock nun alles in der eigenen Hand. Die Einträchtler müssen darauf hoffen, dass die Rostocker noch einmal patzen. Vielleicht ist es am Ende Leon Krka, der mit seinem aktuellen Team den Aufstieg der Eintracht besiegelt: Am vorletzten Spieltag trifft Rostock nämlich auf den MTV Braunschweig, bei dem Krka aktuell spielt. Nächstes Jahr spielt jener wieder bei Eintracht – und würde das sicher gerne in der zweiten Liga tun.