Saisonziel erreicht – Nun richtet sich der Blick auf die neue Bundesligasaison

Das Management der Helios GRIZZLYS Giesen um den sportlichen Leiter Sascha Kucera formulierte vor der Saison das Ziel “Nichtabstieg”. So wie sich das für einen Aufsteiger in seiner ersten Bundesligasaison gehört.
Mit Aufstiegstrainer Itamar Stein ging man in die erste Spielzeit im Oberhaus. Viele Spieler verließen den Verein, viele kamen neu hinzu. Darunter die Garanten für eine erfolgreiche Saison: Magloire Mayaula, Urban Toman, Michal Krisko und Jerome Clere. Außerdem konnte man mit Milan Hrinak, Robert Schramm, Andre Illmer, Maximilian Ströbl, Marius Appel und Publikumsliebling sowie Kapitän Hauke Wagner insgesamt sechs Spieler halten.

So ging es für die GRIZZLYS in die ersten Spiele. Für die Heimspiele kehrte man nun regelmäßig in der Volksbankarena ein.  Die ersten Gegner hatten es in sich. Unter den ersten fünf Partien befanden sich mit den Berlin Recycling Volleys, Friedrichshafen, Frankfurt und Haching, Teams, die alle mit dem Ziel in die Saison gingen, am Ende ganz oben zu stehen. Für die noch nicht eingespielten Giesener waren diese Gegner allesamt eine Nummer zu groß. Doch eine Überraschung gelang: Gegen Friedrichshafen verlor man nur mit 2:3 und sicherte sich immerhin einen Punkt.

Und eine Frage war schon jetzt beantwortet: Hildesheims Sportfans können auch Volleyball. Die Volksbankarena war regelmäßig mehr als gut besucht. Vor allem gegen “die großen” Gegner strömten Menschenmassen in die Halle. Am Ende waren es insgesamt 32.000 Zuschauer, was einen beachtlichen Schnitt von 1500 Zuschauern bedeutet. Daraus resultiert der fünfte Platz im offiziellen Zuschauerranking der Volleyball-Bundesliga.
Zum Vergleich: Die Handballer von Eintracht Hildesheim haben durchschnittlich circa 1400 Zuschauer bei ihren Heimspielen und sind damit im Ligavergleich Zweiter.
Fazit: Die GRIZZLYS polarisieren.

 

Wendepunkt Berlin

Dazu zeigten die Spieler teils sehr ansprechende Leistungen. Einzig in punkto Effektivität haperte es in der Hinrunde. Oft hatte man die Gegner, insbesondere bei Heimspielen, am Rande einer Niederlage. Gegen Kontrahenten wie Düren und Königswusterhausen plante die Chefetage sicherlich Punkte ein, aber das Team verlor beide Spiele, zeigte dabei jedoch eigentlich gute Leistungen. Die Sätze gingen allesamt knapp aus. Mit nur vier Punkten auf dem Konto ging es im Januar nach Berlin. Samstags traf man auf den Mitkonkurrenten vom VCO Berlin und einen Tag später ging es ins Rückspiel gegen die Recycling Volleys. Dieses Doppelspieltagswochenende in Berlin sollte sich zu einem Wendepunkt in der Saison entwickeln.

Im ersten Spiel gegen den VCO zeigten die GRIZZLYS eine so schwache Leistung, dass Sascha Kucera zum Rundumschlag ausholte:

 Die Mannschaft muss jetzt mal in sich gehen und überlegen, wie sie weiterhin auftreten will. Und alle diese Vorschusslorbeeren (…) kann man ab dem Spiel heute wirklich vergessen. Es zählt was am Spieltag da ist. Wenn man gegen solche Mannschaften wie KW, Bühl und VCO Berlin immer das schlechteste Saisonspiel bringt, (…) dann steigen wir ab und das auch zurecht! Ich bin riesig enttäuscht von der Mannschaft, weil keiner auf dem Feld heute gezeigt hat, dass er gewinnen will und es hat heute auch keiner den MVP-Titel verdient.

Gegen den Rekordmeister aus Berlin am Sonntag folgte eine deutliche Leistungssteigerung, aber wieder konnte man keine Punkte einsammeln. Nicht mehr dabei war Kucera, der nach der Blamage am Samstag abgereist war.
Was auf dieses Wochenende folgte – die Giesener Volleyballer belegten den letzten Platz – war eine waschechte Aufholjagd, welche einige sensationelle Spiele zu bieten hatte. Aufgrund diverser Veranstaltungen in der Volksbankarena kehrten die GRIZZLYS für die nächsten beiden Heimspiele in die Giesener Schachtarena zurück, die beide Male aus allen Nähten platzte. Und die Rückkehr zeigte Erfolg: Gegen den Championsleague-Teilnehmer aus Frankfurt siegte man durch eine überragenden Leistung mit 3:1. Das zweite Spiel in Giesen gewann man mit 3:2 gegen die WWK Volleys Herrsching. Da tat die 3:0 Niederlage in Friedrichshafen zwischen den beiden Heimspielen nur noch halb so weh.

Endgültig in der ersten Liga angekommen, zeigten die GRIZZLYS in der restlichen Saison weiter gute Leistungen und konnten diese endlich auch regelmäßig in Punkte umwandeln. In Tirol und Bestensee holte man jeweils einen Punkt. Zu Hause nahm man mit einem 3:0 Revanche am VCO Berlin und holte einen Punkt gegen Lüneburg. So kam es zu einem echten Endspiel um den Nichtabstieg – und das drei Spieltage vor Saisonende.
In Rottenburg zeigten die Giesener sicher nicht ihre beste Leistung, aber der Einsatz und die Moral stimmten. Mit einem 3:1 Auswärtserfolg sicherte man sich den vorzeitigen Klassenerhalt. Auf einmal winkte sogar noch ein Play-Off Platz. Doch die letzten beiden Spiele gegen Bühl und Düren gingen deutlich verloren.

So steht unter dem Strich der zehnte Platz der Tabelle mit fünf Siegen und insgesamt 18 Punkten. Dass es am Ende nicht für die Play-Offs gereicht hat, ist einerseits schade, aber schlussendlich die klare Folge einer schwachen Hinrunde. Doch die Rückrunde war mehr als erstligareif.
Dabei stachen vor allem drei Spieler heraus: Magloire Mayaula belegte am Ende unter allen Spielern der Liga den dritten Platz im Bereich Blockpunkte. Jerome Clere erreichte ebenfalls den dritten Platz und das auch noch in der Top-Scorerliste. Der dritte im Bunde ist Diagonalspieler Michal Krisko, der Platz Eins im Ranking der Aufschlagquote erreichte.
Im statistischen Teamranking belegen die GRIZZLYS einen sehr guten vierten Platz, worauf man als Aufsteiger sehr stolz sein kann.

Nun geht es für die meisten Spieler in den Urlaub oder in die Heimat. Für Sascha Kucera und Itamar Stein beginnt aber schon die Vorbereitung auf die nächste Saison. Es steht ein großer Umbruch mit vielen Gesprächen mit Spielern und Sponsoren an. Denn zwei Dinge sind klar: Wenn in der kommenden Saison die Play-Offs erreicht werden sollen, braucht der Verein viel mehr Sponsoren, um den Etat deutlich zu erhöhen. Außerdem muss die Qualität des Kaders gesteigert werden.
Ein Bestandteil davon sein werden auf jeden Fall Hauke Wagner, Magloire Mayaula, Robert Schramm und Milan Hrinak, die ihre Verträge wie Coach Itamar Stein verlängert haben.
Klar ist aber auch, dass Spieler wie Jerome Clere, Michal Krisko und Urban Toman auf den Einkaufslisten von diversen Topclubs stehen. Krisko will wohl bleiben, aber Clere und Toman sind kaum zu halten. Dafür waren die Leistungen der beiden einfach viel zu gut.

Man darf also gespannt sein, was sich in Giesen bis August tut. Dann soll die Vorbereitung mit dem neuen Team auf die neue Saison beginnen.
Und die zweite Saison nach dem Aufstieg ist ja bekanntlich die schwerste.