Es geht auch anders, liebe Fußballer!

Erst vor kurzem wurde das Duell Concordia Bodenburg abgebrochen, davor die Partie zwischen Algermissen und Wohldenberg. Auch in den zurückliegenden etwas mehr als zwölf Monaten (seit dem 01.09.2017) gab es sage und schreibe acht Spielabbrüche im Hildesheimer Fußballkreis. Keine schönen Zeiten, wie Isabell Hartmann, vom NFV-Spielausschuss zugibt:

Das ist leider eine besorgniserregende Entwicklung, die uns nicht freut.

Aber woran liegt das? Die letzten Spielabbrüche waren auf Handgreiflichkeiten, Bedrohungen oder grobe Attacken der Sportler zurück zu führen. Isabell Hartmann meint:

Ein Stück weit sind alle Beteiligten womöglich auch überfordert, sie geraten an Grenzen des zumutbaren. Aber die Sportler oder Funktionäre schlagen oft über die Stränge und vergessen, worum es eigentlich geht – sich sportlich in einem fairen Wettkampf mit dem Gegner messen. Nicht zu vergessen ist auch, dass oftmals fehlende Regelkunde vorliegt.

Wir möchten ausdrücklich das Thema nicht verallgemeinern, allerdings haben wir uns in anderen Sportarten umgehört und sind zum Fazit gekommen, dass es fast ausschließlich im Fußball eine solch hohe Anzahl an abgebrochenen Spielen gibt.

Im Handball zum Beispiel, eine Sportart mit deutlich mehr Körperkontakt als im Fußball, gab es kaum Abbrüche. Zeitspiel und Meckern ist da zwar möglich, der ein oder andere macht seinem Unmut auch schon mal Luft, aber das hält sich deutlich in Grenzen. Kenny Blotor von der SG Börde Handball meint:

Ich persönlich würde nie auf die Idee kommen, egal wie sehr man womöglich auch verpfiffen wurde, dem Schiedsrichter gegenüber respektlos oder sogar handgreiflich zu werden. Auch wenn es beim Handball auf dem Feld oft aggressiv und ruppig hergeht, passiert dies ausschließlich aus sportlichem Ehrgeiz.

Außerdem wird im Handball der Spieler bei meckern oder abfälligen Gesten direkt bestraft. Entweder mit der gelben Karte oder auch mit der Zwei-Minuten-Strafe, wenn man nach Erhalt der gelben Karte weiterhin meckert. Auch zweimal Zwei-Minuten-Strafen sind keine Seltenheit, wenn der Spieler nicht aufhört zu meckern oder abfällig wird. Bei Schritten oder technischen Fehlern soll der Ball unverzüglich abgelegt werden. Geschieht dies nicht oder der Ball wird sogar weggeworfen, gibt es direkt eine Zeitstrafe. Die Schiedsrichter greifen knallhart durch und dadurch haben die Spieler auch Respekt Ihnen gegenüber

In Sportarten wie Tischtennis oder Tennis gibt es auf Amateurebene oftmals gar keine Schiedsrichter, stattdessen einigen sich Sportler untereinander. Klar ist aber, dass insbesondere die Entscheidungen in diesen beiden Sportarten weniger Grauzonen haben. Vielleicht ist auch die Trennung durch einen Netz, wie im Volleyball hilfreich. Tischtennisspieler Tim Fricke verrät, wie Spiele im Tischtennis ablaufen:

Bei uns gibt es nur Oberschiedsrichter, die über das ganze Spiel wachen und an den Tischen gibt es Schiedsrichter von den zugehörigen Mannschaften. Die wirken aber kaum ein, es wird meist unter sich selbst geregelt. Da gibt es aber keine großen Diskussionen, wir haben einfach einen fairen Gedanken. Da gab es noch nie etwas in Richtung Spielabbruch.

Auch GRIZZLYS-Volleyballspieler Marius Appel fügt an, dass beim Fußball mehr Körperkontakt gibt, aber dennoch sieht er die Abbrüche negativ:

Es gibt natürlich mehr Körperkontakt im Fußball als im Volleyball und wenn es da dann um viel geht, kann die Stimmung sicher mal schnell hochkochen, aber dass es gleich zu Abbrüchen aufgrund von Bedrohungen oder Gewalttaten kommt, kann ich nicht nachvollziehen. Ich kenne das aus dem Volleyball gar nicht, das Netz ist da sicher eine gute Hilfe.

Alles in allem geht es um Respekt, Fairness und Ehrlichkeit. Insbesondere Schiedsrichter müssen als Autoritätsperson anerkannt werden und auch so behandeln werden.