Keine Chance gegen WOB II – War es das falsche System?

Nach knapp 6 Wochen endlich wieder das erste Pflichtspiel für die Domstadtelf. Voller Tatendrang und mit knapp 100 mitgereisten Hildesheimer Fans im Rücken machte sich der VfV Borussia 06 Hildesheim heute auf nach Wolfsburg. Gegner war die U23 des VfL Wolfsburg. Die Mannschaft von Rüdiger Ziehl zählte vor Saisonbeginn zu den großen Anwärtern auf den Meistertitel – nach der Hinrunde lagen die Autostädter aber nur auf Platz 3, mit 7 Punkten Rückstand auf den HSV II. Großer Favorit waren somit die Hausherren, welche durch einen Sieg in Reichweite der Tabellenspitze bleiben wollten. Aber auch der VfV06 sollte nicht unterschätzt werden, gestärkt vom Trainingslager auf Mallorca soll im neuen Jahr mit allen Mitteln der Klassenerhalt erzwungen werden.

Wie zu erwarten war der VfL gleich von Beginn an die tonangebende Mannschaft. Die Mannen von Jörg Goslar liefen im 3-5-2 System auf. Benedict Plaschke und Luis-Prior Bautista sollten bei eigenem Ballbesitz mit nach vorne agieren, bei gegnerischem Ballbesitz die Defensive verstärken. Dies gelang zunächst auch ganz gut. In der 11. Minute hatte sogar der VfV06 die erste gute Chance, den Versuch von Ante Blazevic konnte Wölfe-Keeper Menzel aber noch klären. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Partie recht ausgeglichen. Die Domstadtelf spielte gut mit, konnte ein paar längere Passstafetten aufziehen und sich ab und an in kleineren Kombinationen nach vorne spielen. Erst in der 19. Spielminute kamen die Wölfe das erste Mal richtig gefährlich vor den Kasten von Nils Zumbeel. Iba May zog von links in den Strafraum und passte in die Mitte zu Blaz Kramer, dessen Schuss ging nur Millimeter am rechten Pfosten vorbei. Wolfsburg wurde nun deutlich stärker und drängte auf die Führung. In der 23. Spielminute war es dann soweit und der VfL ging durch Blaz Kramer mit 1:0 in Front. Dem voraus gingen allerdings eine Reihe kapitaler Fehler. Erst wurde das Leder im Aufbau (im Aufbau, dass heißt Bautista und Plasche auf dem Weg nach vorne waren) viel zu leicht hergeschenkt, woraus sich durch blitzschnelles Umschalten eine Konterchance für den VfL ergab. Es sah zwar erst so aus, als ob Christoph Lange den Ball gekonnt vor dem gegnerischen Angreifer ins Toraus abschirmen würde, clever und gekonnte stibitze dieser dem Hildsheimer aber den Ball von der Grundlinie und lief auf einmal alleine in Richtung Nils Zumbeel. Der VfV06-Keeper kam aus dem Kasten, im selben Moment wurde der Ball zu Blaz Kramer gepasst, der ins leere Tor einschob. Es folgten harte Minuten für die mitgereisten Fans der Domstadtelf. Immer wieder gelang es den Wolfsburgern über die Flügel durchzubrechen – fast im Minutentakt ergaben sich so Chancen. Zwar merkte man der Goslar-Elf an, dass sie sich aufrieb und sich eigentlich anders präsentieren wollte, umsetzten konnte sie dies aber nicht. In der 33. Spielminute der nächste Fehler im Spielaufbau, dieses Mal wurde ein Foul knapp vor dem eigenen Sechzehner gezogen. Den anfallenden Freistoß beförderte der 19-jährige Gian-Luca Itter direkt zum 2:0 ins rechte Toreck – Nils Zumbeel war hier, wie bei allen anderern Gegentoren auch, chancenlos. Nur zwei Minuten später klingelte es dann wieder im Gehäuse der Gäste. Abermals über die linke Seite der Hildesheimer in den Strafraum eindringend wurde der Ball in die Mitte gebracht, Daniel Hanslik erhöhte zum 3:0. Es schien als hätten die Wolfsburger sich das Spiel des VfV06 genau ausgeguckt und nun eiskalt die Schwächen ausgenutzt –  3 Tore in 12 Minuten! Kurz vor der Pause fast noch das 4:0, aber Zumbeel klärte stark gegen Kramer. Dann war Halbzeit.

Nach der Pause zog Yannick Schulze für den in der Kabine gebliebenen Christoph Lange in die Innenverteidigung. Lange sah in der ersten Halbzeit mehrfach nicht gut aus, was aber auch daran lag, dass er zu oft ins 1 gegen 1 mit dem extrem schnellen und wendigen Blaz Kramer gezwungen wurde. Das System stellte Jörg Goslar aber nicht grundlegend um, weiter wurde im 3-5-2 gespielt, wobei Bautista und Plaschke nun etwas defensiver agierten. In der 47. Minute fiel dann auch fast gleich der Anschlusstreffer. Mame Mbar Diouf legte einen Ball für Mats Kaiser ab, welcher mit seinem Schuss nur ganz knapp das Tor verfehlte. Der VfV06 hatte sich nicht aufgegeben und versuchte trotz des klaren Spielstands nach vorne zu spielen und ein Tor zu erzielen. Mitte der zweiten Halbzeit scheiterte Yannick Schulze mit einem Freistoß nur ganz knapp. Jedoch hätte sich auf Seiten der Hildesheimer auch niemand beschweren dürfen, wenn der VfL noch das ein oder andere Tor erzielt hätte. Alleine zwei Mal rettete der Pfosten für den VfV06. Dann war Schluss in Wolfsburg und es blieb beim 3:0 aus Sicht der Hausherren.

Die Domstadtelf zeigte eine engagierte Leistung gegen klar überlegene Jungwölfe. Jörg Goslar schien einen Plan zu haben, welcher jedoch eiskalt gegen ihn und seine Mannschaft umgemünzt wurde. War es vielleicht zu riskant das recht offene 3-5-2 System gegen ein so spielstarken Gegener zu spielen? Diese Frage wird sich der VfV06-Trainer in der Nachbereitung des Spiels vielleicht des öfteren stellen. Bereits am nächsten Sonntag geht es weiter. Dann empfängt der VfV Borussia 06 Hildesheim den SV Drochtersen/Assel im Friedrich-Ebert-Stadion.