VfV06-Präsident Michael Salge im Jahresrückblicks-Interview

Passend zum Jahresrückblick folgt nun ein Interview mit Michael Salge, dem langjährigen Präsidenten des VfV Borussia 06 Hildesheim. Bereits seit über zehn Jahren führt der Spezialist für Verkehrsrecht den Verein. Neben dem zeitintensiven juristischen Beruf widmet der 50-jährige einen erheblichen Teil seiner Freizeit dem VfV06. Wir haben mit ihm über das vergangene Jahr gesprochen.

Sportnews Hildesheim: Hallo Herr Salge, vielen Dank, dass Sie sich für das Interview die Zeit genommen haben! Starten wir mit einer kleinen Rückschau. Die Rückrunde der vergangenen Saison lief gut an. Nach 23 Spielen waren bereits 30 Punkte eingefahren. Wie erklären Sie sich, dass eine Mannschaft dann derart einbricht?

Michael Salge: In der Phase ab Februar/März letzten Jahres kam es durch die vielen Nachholspiele zu einer erheblichen Belastung der Mannschaft. Darüber hinaus mussten wir feststellen, dass das Team aufgrund von Verletzungen und einer witterungsbedingt sehr mäßigen Vorbereitungsphase mit diesem Druck nicht umgehen und vor allem keine spielerischen Lösungen mehr präsentieren konnte. Zum Teil wechselnde Systeme hatten offensichtlich der Mannschaft auch nicht die hinreichende Sicherheit gegeben, sodass insgesamt mehrere Umstände dazu führten, dass die Leistung der Mannschaft im Frühjahr – auch gerade gegen direkte Abstiegskonkurrenten wie Lupo-Martini Wolfsburg und damals auch Eintracht Braunschweig – nicht ausreichend gewesen waren. Insofern hatten wir uns in dieser wichtigen Phase des Klassenkampfes, in der aus sechs Spielen nur ein Punkt geholt wurde, auch entschlossen, mit einem Trainerwechsel der Mannschaft einen neuen Impuls zu geben. Gleichzeitig wurde sie dadurch aber auch in die Verantwortung und Pflicht genommen, alles zu tun um die hart erkämpfte Regionalligazugehörigkeit zu sichern.

Sportnews Hildesheim: Mario Block machte nach außen oft einen reservierten Eindruck. Passten er und der Verein von vornherein doch nicht so gut zusammen?

Michael Salge: Für Mario Block war es sehr schwer nach der erfolgreichen Zeit von Jürgen Stoffregen in das Traineramt hineinzukommen. Die Erwartungshaltung von außen an ihn war sehr hoch, obwohl wir alle wissen, dass die Mittel in Hildesheim eben nur eingeschränkt vorhanden sind. Insofern ist es jedes Mal eine Herausforderung, das Unternehmen Klassenerhalt in der Regionalliga gegen viele Gegner, die über anderen Möglichkeiten verfügen, anzugehen. Wir waren uns sicher, dass wir dieses auch erfolgreich mit Mario Block gestalten können. Natürlich wurde er in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen, als ich ihn selbst persönlich kennen- aber auch schätzen gelernt habe. Er ist ein völlig anderer Trainertyp gewesen als Jürgen Stoffregen, aber auch Jürgen Stoffregen galt bei vielen zu Beginn seiner Tätigkeit in Hildesheim als reserviert. Wir alle waren klar der Auffassung, dass mit Mario Block ein anderer Trainertyp mit neuen Ideen auch in unser Anforderungsprofil und in unseren Verein passt.

Sportnews Hildesheim: Block muss immer noch bezahlt werden, da er mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet wurde. Wie stehen Sie im Nachhinein zu diesem „langfristigen“ Vertrag?

Michael Salge: Jeder Trainer möchte einen Zweijahresvertrag abschließen, da er selbst für sich, aber auch mit dem Verein und der Entwicklung des Vereins langfristig plant. Dies gilt umso mehr, wenn mit dem Wechsel auch eine andere Ausrichtung der Mannschaft oder Systemwechsel einhergeht. Im Übrigen haben damals alle möglichen Interessenten die Vorstellungen eines Zweijahresvertrages gehabt. Dies ist auch völlig branchenüblich in der Regionalliga, da der Aufwand, den auch ein Trainer in dieser Liga betreibt, sehr hoch ist. Wie immer ist dieses natürlich mit Risiken verbunden, wenn man vorher die Zusammenarbeit beendet bzw. einen Trainer freistellt. Aber auch hier greifen dann vertragliche Mechanismen.

Sportnews Hildesheim: Nun zum „Heilsbringer“ Jürgen Stoffregen. Wie haben Sie es geschafft ihn zum Rücktritt vom Rücktritt zu bewegen?

Michael Salge: Jürgen Stoffregen ist für viele von uns und insbesondere für mich auch ein guter Freund geworden, der in der besonderen Situation – vier Wochen vor Saisonende – seinen Hildesheimer Verein und seine Freunde nicht im Stich lassen wollte. Dies war eine kurzfristige Entscheidung und wir sind ihm und seiner Familie sehr dankbar, dass er für diese Zeit die Verantwortung und auch das Risiko übernommen hat. Er kannte das Umfeld, große Teile der Mannschaft und er wusste auch was Abstiegskampf in Hildesheim bedeutet. Insofern würde ich Jürgen Stoffregen nicht als „Heilsbringer“ bezeichnen, aber als verlässlichen Freund, der uns hier einmalig geholfen hat, da auch die persönlichen Umstände dies erlaubten.

Sportnews Hildesheim: Jörg Goslar ist unbestritten ein erfahrener und fähiger Fußballlehrer. Waren die Ziele bei seinem Amtsantritt, gerade aufgrund der nicht abgeschlossenen Kaderplanung, vielleicht zu hoch angesetzt?

Michael Salge: Ich glaube auch, dass wir mit Jörg Goslar den richtigen und erfahrenen Trainer gewinnen konnten. Unser Ziel war es, so früh wie möglich nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Dabei haben wir auf viele alt gediente Hildesheimer Spieler gesetzt und auf neue Spieler, die zum Teil eine gewisse Erfahrung und Potential mitbringen, wie Sofien Chahed, aber auch Spieler, die sich in der Regionalliga erst hätten entwickeln müssen. Hier mussten wir erkennen, dass gerade zu Beginn der Saison, diese Zeit der Entwicklungsphase den Spielern nicht gegeben werden kann, da durch Verletzungen diese zum einen sofort Einsatz bringen mussten, zum anderen aber auch festgestellt werden musste, dass die Zeit der Entwicklungsphase bei dem Ergebnisdruck in den ersten vier Wochen nicht gegeben war. Insofern musste der Kader an einigen Positionen nochmals verändert werden. Das Ziel Klassenerhalt stand über allem. Der vordringliche Wunsch, dies so schnell wie möglich zu sichern, war ambitioniert und dann auch aufgrund der Leistungsdichte in der Regionalliga nicht erreichbar. Wir mussten auch erkennen, dass wir bei der Einschätzung einer schnellen Entwicklungsmöglichkeit einiger junger Spieler bei dem Druck, der in der Regionalliga vorherrscht, falsch lagen.

Sportnews Hildesheim: Wie bewerten Sie die aktuelle Lage und was sind die reellen Ziele bis zum Saisonende?

Michael Salge: Die Mannschaft hat sich seit September erheblich spielerisch verbessert und gefestigt. Trotz der vielen Verletzungen hat das Team bis auf das Spiel in Egestorf, konstant gute Leistungen gezeigt. Ich glaube dass das Team, insbesondere wenn die aktuell Verletzten wie Ante Blazevic, Mame Diouf oder Benedict Plaschke wieder zurückkommen, wir auch in der Offensive erhebliche Verbesserungen sehen können. Dies konnten wir zuletzt im Zusammenspiel von Mame Diouf, Marvin Ibekwe und natürlich Louis Bautista, der den größten positiven Sprung in der Hinrunde gemacht hat, bereits sehen. Insofern bin ich zuversichtlich gestimmt, was den harten Kampf um den Klassenerhalt angeht. Gerade vor diesem Hintergrund haben wir auch das Trainingslager in der Vorbereitungsphase geplant, um eine intensive gute Vorbereitung zu garantieren, aber die Mannschaft auch untereinander auf die dann folgenden harten Wochen mit der starken Belastung und zahlreichen Nachholspielen, einzustimmen.

Abgerechnet wird am 12. Mai. dem letzten Spieltag. An diesem Tag müssen wir den ersten Nichtabstiegsplatz erreicht haben und ich bin guter Dinge, dass wir das gemeinsam schaffen.

Sportnews Hildesheim: Schließen Sie einen erneuten Trainerwechsel in der laufenden Saison kategorisch aus?

Michael Salge: Ja!

Sportnews Hildesheim: Vielen Dank für das Interview. Wir hoffen, dass wir am 12. Mai nächsten Jahres über den Klassenerhalt berichten können. Viel Erfolg für den Rest der Saison!