Jahresrückblick VfV06

Erinnert sich noch jemand an die Tabellensituation der Domstadtelf zu Beginn des Jahres 2017? Lang ist’s her, doch vor einem Jahr überwinterte der VfV06 auf Platz 13 in der Regionalliga Nord.

Aus insgesamt 17 Spielen holte man 22 Punkte (5 Siege, 7 Unentschieden, 5 Niederlagen) und war somit auf dem besten Wege einen soliden Mittelfeldplatz zu erreichen. Zudem standen bei den Hildesheimern zu diesem Zeitpunkt noch zwei Nachholspqiele auf dem Zettel. Der Trainer hieß damals noch Mario Block und die Stammelf bestand aus vertrauten Namen wie Dominik Franke (BTSV II), Garrit Golombek (MTV Wolfenbüttel), Andrew Marveggio (TSG Neustrelitz) oder Dominic Hartmann (SC Weiche Flensburg).

Ordentlicher Rückrundenstart

Die Rückrunde startete – wie so oft – mit vielen Spielausfällen. Nachdem das erste Spiel der Rückrunde bei der Reserve des VfL Wolfsburg denkbar unglücklich in der Nachspielzeit verloren ging, fielen die Begegnungen gegen den HSV II, den SV Meppen und den LSK ins Wasser. Erst Anfang März war ein geregelter Spielbetrieb wieder möglich. Bei der U23 des FC St. Pauli holte der VfV06 ein Unentschieden, kurze Zeit später siegte die Mannschaft von Mario Block mit 1:0 beim VfB Oldenburg. Und auch im dritten Spiel in Folge, gegen den HSV II, blieb man ohne Niederlage (1:1). Dann folgte der erste richtige Knackpunkt, welcher die Negativserie in den ersten Zügen einleitete. Beim Tabellenletzten Eichede setzte es eine verdiente Niederlage. Doch gleich im nächsten Heimspiel wurde Hannover 96 II mit 2:0 nach Hause geschickt, die Niederlage gegen Eichede schien nur ein Ausrutscher gewesen zu sein. Nach 23 Spielen verbuchte der VfV06 30 Punkte und stand mit Platz 10 in der Liga eigentlich gut da.

Talfahrt endet mit Blocks Freistellung

Die sportliche Talfahrt begann mit der 1:2 Heimniederlage gegen den SV Drochtersen/Assel am 29.3.2017 und setzte sich nur einige Tage später mit der 0:1 Niederlage beim direkten Ligakonkurrenten Lupo-Martini Wolfsburg fort. Obwohl diese Ergebnisse recht knapp ausfielen, war ein klarer Leistungsabfall der Mannschaft zu erkennen. Vor allem in der Offensive passte fast nichts mehr zusammen und erste Unruhe, auf wie neben dem Platz, machte sich breit. Und diese Serie zog sich weiter, Mario Block schien kein geeignetes Mittel für einen Umschwung zu finden. Nach zwei Niederlagen, gegen den BTSV II (0:3) und den SV Meppen (2:3) und einem torlosen Unentschieden gegen den LSK Hansa Lüneburg, folgte eine 2:4 Pleite bei Weiche Flensburg. Lediglich ein Punkt aus 6 Spielen, eine magere Punkteausbeute. Inzwischen war der VfV06 in der Tabelle abgerutscht und befand sich in akuter Abstiegsgefahr. Fünf Spieltage vor Saisonende standen nun 31 Punkte zu Buche, wobei der VfV06 punktgleich mit dem auf einem Abstiegsplatz rangierenden BSV Rehden war. Am 24.4.2017 zogen die Verantwortlichen die Reißleine und stellten Mario Block frei.

Stoffregen als Heilsbringer

Im Zuge von Blocks Freistellung wurde ein alter Bekannter als dessen Nachfolger bekannt gegeben. VfV06-Ikone Jürgen Stoffregen übernahm für die verbleibenden 5 Spiele die Funktion des Cheftrainers. Dieser prompten Interimslösung waren anscheinend intensive Gespräche vorausgegangen. Gleich im ersten Spiel unter neuem alten Trainer war ein Aufwärtstrend zu erkennen. Gegen Eintracht Norderstedt wurde ein 0:0 erkämpft. Viel wichtiger war jedoch der darauf folgende 3:0 Sieg gegen den direkten Abstiegskonkurrenten BSV Rehden, sowie der Derbysieg beim TSV Havelse. Kapitän Dominik Franke avancierte hier mit seinem späten Siegtreffer zum Matchwinner. Nach einer 1:5 Klatsche gegen Egestorf besiegelte am letzten Spieltag ein 1:1 gegen die U23 vom FC St. Pauli den Klassenerhalt. Mit 39 Punkten und Platz 15 war man auch deshalb sicher ein weiteres Jahr in der vierthöchsten Spielklasse vertreten, weil gleichzeitig die U23 von Werder Bremen den Klassenerhalt in der 3. Liga perfekt machte und somit höchstens 3 Mannschaften aus der Regionalliga Nord absteigen würden. Mit 8 Punkten aus 5 Spielen hatte Jürgen Stoffregen die Erwartungen erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Von vorn herein war jedoch klar, dass „Stoffi“ sein Engagement nicht über die Saison hinaus fortsetzen würde.

Neuer Trainer – neue Ambitionen

Nur drei Tage nach dem Erreichen des Klassenerhalts wurde Jörg Goslar als neuer Cheftrainer des VfV Borussia 06 Hildesheim vorgestellt. Der 53-jährige Fußballlehrer hatte zuvor in beeindruckender Weise den Oberligisten BV Cloppenburg vor dem schon sicher geglaubten Abstieg gerettet. Seitens des Trainers und
zugleich der Vereinsverantwortlichen wurden bei seiner Vorstellung gegenseitige Ambitionen und Erwartungen kommuniziert. Goslar selber sagte, dass er dazu beitragen wolle, „dass die Domstadtelf in der nächsten Saison eine sportliche Entwicklung nimmt, die nichts mehr mit dem Abstieg zu tun hat“. Und auch Präsident Michael Salge hielt sich mit seinen Erwartungen nicht zurück und nannte als Zielsetzung, dass man sich nun in der Regionalliga etablieren und in der Tabelle nach oben klettern wolle. Bemerkenswert – die Kaderplanung war zu diesem Zeitpunkt noch in den Anfängen. Welche Stammspieler gehalten werden konnten und, einhergehend hiermit, welche finanziellen Mittel zur Verpflichtung von neuen Spielern bereit stehen würden, war noch nicht wirklich abzusehen.

Säulen brechen weg

Was sich hinter den Kulissen genau abspielte, ist nicht bekannt. Bereits bereits im Juni wurde bekannt, dass Kapitän Dominik Franke zur Reserve von Eintracht Braunschweig wechseln würde. Ein mehr als herber Verlust, denn Franke entwickelte sich zur tragenden Säule im Spiel des VfV06. Ein Leader – extrem  zweikampfstark und dazu immer wieder torgefährlich. Und auch der Abschied vom polarisierenden Hildesheimer Eigengewächs Dominic Hartmann schien schnell besiegelt. Gerüchte von zu hohen Gehaltsforderungen einerseits und zu wenig Würdigung andererseits kamen immer wieder auf. Vor Saisonbeginn kickte Hartmann einige Zeit beim Landesligisten SV Bavenstedt mit, um sich fit zu halten. Nach langem hin und her folgte der Wechsel zum ambitionierten Ligakonkurrenten SC Weiche Flensburg. Somit verließ der vielleicht spielstärkste Akteur den Verein. Der langzeitverletzte Omar Fahmy beschritt ebenfalls neue Wege und ist nun erfolgreich als Trainer beim Bezirksligisten SV Newroz unterwegs. Andrew Marveggio, zuvor im defensiven Mittelfeld gesetzt, wechselte zum TSG Neustrelitz. Dauerbrenner Garrit Golombek zog es zurück in seine Heimat zum MTV Wolfenbüttel. Die halbe Stammelf war somit nicht mehr vorhanden. Als ersten Kracher vermeldete der VfV06 die Verpflichtung von Sofien Chahed – ein Spieler mit reichlich Drittliga-Erfahrung. Weitere Neuzugänge waren Mats Kayser (Bremer SV), Abdulmalik Abdul (VfL Nordstemmen) und Luis Prior-Bautista (TSV Havelse U19), die jeweils noch keine Regionalliga-Erfahrung aufweisen konnten.

Pokalpleite, desolater Saisonsarte und weitere Neuzugänge

Im ersten Pflichtspiel unter Goslar ging es im Krombacher-Pokal gegen den Göttinger Bezirksligisten Bovender SV. Die Pflichtaufgabe wurde mit 3:0 gemeistert. Nur 72 Stunden später konnte man sich auch im Achtelfinale durchsetzen. Im Elfmeterschießen wurde der Lüneburger SK Hansa bezwungen. Bis hierhin ein gelungener Saisonstart. Doch so schön sollte es nicht weiter gehen. Das erste Ligaspiel wurde mit 0:2 chancenlos gegen Wolfsburg II verloren. Dann stand auch schon das Pokalviertelfinale an. Im Spiel gegen den Oberligisten Arminia Hannover war kein Klassenunterschied zu sehen. Wiederum im Elfmeterschießen musste sich die Domstadtelf mit 3:4 geschlagen geben – der Traum von einer Teilnahme beim DFB-Pokal war geplatzt. Die folgenden Wochen glichen einer Tortur.

Es hagelte Niederlagen gegen Aufsteiger Eutin 08 (0:4), HSV II (0:2), St. Pauli II (0:5) und Hannover 96 II (0:1). Nach fünf absolvierten Spieltagen befand sich der VfV06 auf dem letzten Tabellenplatz, 0 Punkte und kein erzieltes Tor. Zudem fehlten die Offensivkräfte Benedict Plaschke und Marvin Ibekwe verletzungsbedingt.Unterdessen wurde mit Neuverpflichtungen reagiert. Yusuf Kilic (vereinslos), Lukasz Staron (Odra Opole), Konstantinos Drizis (AO Chania), Cristian Oganesian (SV Bavenstedt) und Ante Blazevic (NK Junak Sinj) verstärkten das Team. Am 6. Spieltag dann endlich der erste Punktgewinn, ausgerechnet gegen den „Lieblingsgegner“ aus Havelse.

Anstieg der Formkurve, Spielausfälle “en masse”

Es folgte eine eher unglückliche 1:2 Niederlage gegen den Lüneburger SK Hansa, ein 0:0 beim VfB Oldenburg, sowie ein 1:1 gegen den BSV Rehden. Am 10. Spieltag dann endlich der erste Sieg. Der Aufsteiger Altona 93 wurde mit 3:0 bezwungen. Die Formkurve zeigte nun nach oben, auch weil Staron und Blazevic neuen Schwung ins Offensivspiel brachten. Bei der U23 von Eintracht Braunschweig unterlag man dann durch einen Last-Minute-Treffer sehr unglücklich mit 1:2. Trotzdem rappelte sich die Mannschaft auf und holte im nächsten Spiel beim haushohen Favoriten SC Weiche Flensburg einen überraschenden 1:0 Sieg. Einziger Wermutstropfen war hier, dass sich Ante Blazevic eine schwere Knieverletzung zuzog und das Jahr für ihn somit gelaufen war. Gegen Norderstedt und Egestorf kamen dann alte Muster zum Vorschein, die Partien wurden mit 0:2 und 0:3 sang- und klanglos verloren. Am 15. Spieltag erkämpfte sich die Goslar-Elf dann noch ein 0:0 beim VfB Lübeck. Die Begegnungen gegen den SSV Jeddeloh, den SV Drochtersen Assel und Eutin 08 fielen allesamt wegen schlechter Platzbedingungen aus. Anfang Dezember zeigte die Mannschaft eine sehr gute Leistung beim damaligen Tabellenführer HSV II. Das hart erkämpfte 2:2 Unentschieden wurde am Ende nur durch eine Knieverletzung von Mame Mbar Diouf überschattet, welche im Nachhinein doch nicht so schwerwiegend war, wie zunächst vermutet. Im letzten Pflichtspiel des Jahres erarbeitete sich die Domstadtelf dann noch ein 0:0 beim SV Drochtersen/Assel. Zwölf Punkte und Platz 17 nach 17 absolvierten Spielen, das ist die Bilanz zum Ende der Hinrunde.

Der VfV Borussia 06 Hildesheim hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Trainerwechsel, Abstiegskampf, der Klassenerhalt – viele emotionale Momente. Schon jetzt ist abzusehen, dass das dritte Jahr in der Regionalliga das Schwerste werden wird. Wir drücken die Daumen und hoffen, dass die Domstadtelf auch in der nächsten Saison in der vierthöchsten deutschen Spielklasse vertreten sein wird!

Ernst wird es am 28.01, dann empfängt die Domstadtelf den SSV Jeddeloh (aktuell Platz 5) zum Nachholspiel und gleichzeitig ersten Pflichtspiel im neuen Jahr im Friedrich-Ebert-Stadion.