Vorbericht zum Topspiel der Woche, VfR Ochtersum – SV Türk Gücü Hildesheim

Am Wochenende steigt das Topspiel von Sportnews Hildesheim in der Kreisliga. Der ungeschlagene Spitzenreiter VfR Ochtersum empfängt den SV Türk Gücü Hildesheim. Zwei offensiv starke Mannschaften treffen aufeinander.

In der vergangenen Saison gewann der SV TG Hildesheim das Hinspiel mit 2:1. Das Rückspiel gewann Ochtersum zuhause mit 4:2. Wir erwarten ein offenes Spiel, mit leichten Vorteilen zugunsten von Türk Gücü Hildesheim, da das Sturmduo Schaper/Müller von Ochtersum (insgesamt 12/17 Tore in 5 Spielen) fehlt.

Wir haben mit Milano Werner, Trainer vom VfR Ochtersum und Ayhan Piril, Trainer vom SV Türk Gücü Hildesheim gesprochen:

-Milano Werner-

Sportnews Hildesheim (folglich SH): Vor gut 2 Jahren hast du den VfR Germ. Ochtersum übernommen. Der Saisonstart verlief sehr holprig mit u.a. hohen Niederlagen. (0:8 gegen Alfeld, 0:7 gegen Bavenstedt) Aktuell steht deine Mannschaft nach 5 Spielen mit 15 Punkten auf Platz 1. Wie ist diese Entwicklung zu erklären und was sagst du zum bisherigen Saisonverlauf?

Milano Werner: Mir war damals bewusst, dass die Aufgabe sehr schwer wird. Zu der neuen Saison damals hatten viele Leistungsträger aufgehört. Es entstand ein Umbruch, da damals schon zehn A-Jugendspieler zu uns in die erste Herren kamen. Die Qualität in der Masse war nicht so gut wie sie heute ist, wir konnten im Training kaum etwas einstudieren da wir sehr dünn besetzt waren. In den letzten beiden Saisons kamen jeweils 40 Spieler zum Einsatz, was bedeutet, das wir auf viel Hilfe angewiesen waren. Teilweise musste ich selbst noch die Schuhe binden. Ich übernahm damals die Mannschaft mit dem Ziel, in den nächsten beiden Spielzeiten die Klasse zu halten. Damals hatte ich aber auch schon das Wissen, dass zu der jetzigen Saison eine A-Jugend zu uns stößt, die unglaubliche Qualität hat. Hinzukommt, dass sich die jungen Spieler sehr gut weiterentwickelt haben in den letzten beiden Jahren. Das ist der Schlüssel.

SH: Mit von Borstel, Kücker, Preußner, Schaper, Zwingmann, Müller und Wittenberg hast du sage und schreibe sieben Spieler in deinen Reihen, die letztes Jahr noch A-Jugend gespielt haben. Alle haben in den ersten fünf Spielen eine wichtige Rolle gespielt und zum Erfolg beigetragen. War das vor der Saison zu erwarten?

Milano Werner: Ja, das war zu erwarten. Ein riesen Kompliment an Florian Preußner und Michael Hoffmann, die die Jungs über 13 Jahre begeleitet haben. Die beiden haben hervorragende Arbeit geleistet und die Jungs taktisch sehr gut ausgebildet. Davon profitiert der Verein heute sehr. Florian Preußner ist nun Co-Trainer dieser Mannschaft und wirklich eine Bereicherung. Wir beide harmonieren wirklich gut zusammen und bilden ein gutes Team. Hinzukommt, dass wir eine tolle Vorbereitung mit insgesamt 33 Spielern hatten. 16 A-Jugendspieler waren dabei, wovon wir dann letztlich zehn übernommen haben. Drei Jungs sind aufgrund von Verletzungen noch nicht richtig im Saft, stoßen aber auch bald zu uns. Ich habe den Luxus, dass jede Position doppelt, aber auch gleichwertig besetzt ist. Wir können je nach Spielgeschehen auf jeder Position nachlegen. Das ist ein großer Vorteil.

Die ganzen Jugendspieler in Verbindung mit den gestandenen Spielern ist eine super Mischung. Mit unserem ältesten Spieler, Thomas Bürdek (Vater der Mannschaft) haben wir einen tollen Kapitän. Unser zweiter Kapitän, Fynn Müller ist ein absolutes Vorbild für die Mannschaft. Mit seinen jungen Jahren ist er nicht mehr wegzudenken aus dem Team, schade dass er die nächsten drei Monate nicht kontinuierlich da ist. Der verlorene Sohn Johannes Bensch hat wieder den Weg zu uns gefunden. Außerdem kann ich wieder auf die Spieler Joshua Henneberg und Pascal Walther zählen. Hinzu kommt unser Neuzugang Frederik Binger, der mit seinem linken Fuß flexibel einsetzbar und auch sehr wichtig für die Mannschaft ist.

SH: Lukas Schaper wurde letztes Jahr in der A-Jugend Torschützenkönig mit 28 Toren. In dieser Saison hat er schon sieben Treffer auf seinem Konto. Wie wichtig ist er für die Mannschaft?

Milano Werner: Lukas ist ein Phänomen, er ist super wichtig für uns! Schon im letzten Jahr hat er uns mit elf Treffern in der Rückrunde zum Klassenerhalt verholfen. Dieser Typ weiß wo das Tor steht. Er ist vielseitig, super schnell und dribbelstark. Was Robert Lewandowski für den FC Bayern München ist, ist Lukas Schaper für uns. Unverzichtbar. Aber auch er hat noch viel Potenzial. Mit seinen 18 Jahren ist er noch nicht am Ende, Lukas muss noch cleverer werden. Manchmal fehlt ihm noch die Übersicht und die Erfahrung, den besser positionierten Mitspieler anzuspielen anstatt selbst abzuschließen. Ich arbeite sehr gerne mit ihm. Aber natürlich arbeite ich auch mit der ganzen Mannschaft sehr sehr gerne.

SH: Deine Mannschaft ist mit Abstand die jüngste Mannschaft der Liga. (Altersdurchschnitt: Unter 21 Jahre) Ihr seid mit fünf Siegen gestartet, wie gehen deine Jungs damit um?

Milano Werner: Eigentlich ganz gut. Sie sind es gewöhnt, zu gewinnen (zwinkert). In den letzten Jahren im Jugendbereich hatten die meisten viele Erfolge zu feiern. Zum Beispiel den Aufstieg in die Landesliga oder den dritten Platz der Norddeutschen-Futsal-Meisterschaft. Sie kennen demnach Erfolge und gehen damit sehr gut um. Meine Mannschaft ist sehr Charakterstark und verliert nicht an Bodenhaftung. Es ist eine schöne Momentaufnahme, aber auch uns wird in den kommenden Spielen nichts geschenkt.

SH: Am Wochenende wartet mit TG Hildesheim ein Gegner, der viele erfahrene, aber auch junge Spieler in den Reihen hat. Was habt ihr euch für die Partie vorgenommen?

Milano Werner: Gegen TG Hildesheim erwartet uns ein super schweres Spiel. TG hat eine brand gefährliche Offensive, viele technisch starkversierte Spieler und einen echten Torjäger, Mahmud Siala. Das Spiel wird außerdem viel schwerer als es ohnehin schon ist: Mit Schaper, Müller und Lieke fehlen uns drei Spieler, die insgesamt 13 Tore von insgesamt 17 geschossenen Toren erzielt haben. Aber auch dafür werden wir eine Lösung parat haben, wir spielen Heim und wollen sie überraschen. Trotzdem ist TG Hildesheim der klarer Favorit, ein Punkt wäre ein Erfolgserlebnis.

SH: Der Saisonstart verlief super, wo wird der VfR Ochtersum am Ende der Saison stehen bzw. wie lautet euer Saisonziel?

Milano Werner: Die Punkte, die wir bis jetzt haben kann uns keiner mehr nehmen. Letzte Saison hatten wir nach 18 Spielen gerade mal 15 Punkte auf dem Konto. Wir werden das Selbstvertrauen und die Euphorie mit in die nächsten Spiele nehmen und dynamischen und erfrischenden Offensivfußball zeigen. Das ist zumindest unser Ziel. Die schwierigen Spiele gegen die Favoriten wie TG Hildesheim, Neuhof, Sarstedt und Conc. Hildesheim kommen noch. Wir denken von Spiel zu Spiel. Außerdem wollen wir den jungen Spielern Zeit geben um sich zu entwickeln. Wir wollen uns nicht nur tabellarisch, sondern auch fußballerisch weiterentwickeln. In den letzten beiden Jahren wurden wir 12. und 9. Deswegen ist das Saisonziel 5-8 Platz.

Ayhan Piril-

Sortnews Hildesheim (folglich SH): Hey Ayhan, super dass du dir die Zeit genommen hast. Dein Team spielt am Wochenende gegen den bis jetzt ungeschlagenen Spitzenreiter, VfR Ochtersum. Mit 17:4 weisen sie ein beachtliches Torverhältnis auf. Was sagst du zu dem Topspiel der Woche?

Ayhan Piril: Erstmal ein großes Kompliment an meinen Kollegen Milano Werner, der in den letzten Jahren wirklich gute Arbeit geleistet hat. Allmählich zahlt sich dies aus. Er hat eine junge, dynamische Mannschaft, die sicherlich den einen oder anderen Verein in dieser Saison noch ärgern wird. Es wird eine schwere Aufgabe für uns, dennoch bin ich mir sicher, dass wir in dieser Saison gegen jeden Gegner mithalten können. Ich freue mich sehr auf das Spiel.

SH: Wie bewertest du den bisherigen Saisonstart deiner Mannschaft?

Ayhan Piril: Im Prinzip bin ich mit den Leistungen meiner Mannschaft zufrieden. Sicherlich fehlt noch der letzte Feinschliff. Dennoch haben wir bis jetzt erst eine Niederlage. (2:3 in Drispenstedt, nach 30 Min. war man in Unterzahl geraten) Darauf lässt sich aufbauen.

SH: Euer Torverhältnis beträgt 16:10 nach 5 Spielen. Vorne Hui, hinten pfui?

Ayhan Piril: (lacht) Nein, das kann man definitiv nicht so sagen. Das bedeutet eher: Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten. Trotz der 16 geschossenen Tore haben wir keine gute Chancenauswertung. Wir investieren viel in unser Spiel nach vorne, erarbeiten uns gute Chancen. Dementsprechend stehen wir hinten zu offen. Das ist zurzeit unser Manko.

SH: In dem letzten Spiel gab es ein 6:1 Erfolg in Duingen. Wirst du mit der gleichen Erfolgself gegen Ochtersum spielen?

Ayhan Piril: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Wir rotieren viel, da wir einen sehr breiten Kader haben. Wir arbeiten sehr konzentriert, alle haben Lust auf die Saison und sind heiß. Dies wird deutlich bei der Trainingsbeteiligung. Im Schnitt haben wir 16-18 Mann beim Training. Die Leistungsdichte ist sehr nah, unsere Mannschaft ist auf einem guten Fitnessstand.

SH: Ihre Stürmer Mahmud Siala und Aziz Araboglu haben nach fünf Spielen zehn Tore auf ihrem Konto, wie wichtig sind die beiden für die Mannschaft und dich?

Ayhan Piril: Beide sind für die Mannschaft unverzichtbar und ich bin stolz, die beiden in den Reihen zu haben. Aber auch Mo und Aziz müssen immer weiter arbeiten, gerade bei Mo’s Fitnesszustand ist noch sehr viel Luft nach oben. Gegen Duingen kam er von der Bank und schoss dann drei Tore. Man muss ihn manchmal kitzeln.

SH: Am Ende ein eher nicht so schönes Thema. Alle sprechen über die Rassismus-Vorwürfe im letzten Spiel zwischen dem VfB Bodenburg und dem FC Concordia Hildesheim. Wie gehst du mit dem Thema auch im Bezug auf deine Mannschaft um?

Ayhan Piril: Sowas ist eine Schande und hat nichts mit dem Fußball zu tun. Fußball soll verbinden und als Sport angesehen werden. Es gibt einen Wettkampf mit Gewinnern und Verlierern. Respektvolles Miteinander ist das A und O. Das leben wir! Ich möchte betonen, dass wir in der bisherigen Saison in jedem Spiel von dem Gegner und Zuschauern fair behandelt worden sind. Das haben wir uns in den vergangenen Jahren erarbeitet, wir werden als Mannschaft angesehen und hoffen, dass dies so bleibt.

 

Wir freuen uns auf ein spannendes und verletzungsfreies Spiel!