Polizei nimmt bis zu 170 gewaltsuchende Hooligans in Hildesheim fest

Am gestrigen Freitagabend wurde Hildesheim Schauplatz eines Großeinsatzes der Polizei.

Um kurz nach 21 Uhr schrieb eine besorgte Hildesheimerin in einer Facebook-Gruppe “Weiß jemand, was oder wer über Ochtersum gesucht wird?”. Im Sekundentakt prasselte es anschließend Kommentare, aufgrund der Ungewissheit wurde zunächst über den Grund des massiven Polizeiaufgebotes (einige hundert Beamte und zwei Polizeihubschrauber) spekuliert. Schlagworte wie “professionelle Einbrecherbanden”, “ISIS-Zelle” oder “Polizei-Übung” fielen. Um 21:54 Uhr twitterte die Polizei Hannover dann jedoch: “Polizei verhindert Hooligan-Schlägerei vor Derby in Hildesheim. Zahlreiche Festnahmen.”

Rivalisierende Hooligans von Hannover 96 und Eintracht Braunschweig hatten sich wohl zu einer Massenschlägerei auf neutralem Terrain verabredet. Verschiedene Medien berichten hierzu von jeweils circa 100 gewaltsuchenden Personen auf beiden Seiten. Die Polizei bekam aber früh genug Wind von der Sache und konnte ein Aufeinandertreffen in letzter Sekunde verhindern. Es ist von 170 Festnahmen die Rede, Vermummungstextilien und Schlagwerkzeuge konnten sichergestellt werden. Ein Beamter soll von einem flüchtenden Fahrzeug leicht verletzt worden sein.

Die hasserfüllte Erzfeindschaft der Vereine ist kein Geheimnis. In der jüngeren Vergangenheit gab es immer wieder Provokationen, vor allem von Seiten der Braunschweiger. So irrte im Jahr 2013 beispielsweise ein Schwein mit einem Hannover 96-Schal durch die Innenstadt Hannovers, 2014 hing ein grün angesprühtes totes Lamm am Trainingsgelände der 96-Profis und am gestrigen Freitagmorgen baumelten zwei Puppen mit 96-Schals von einer Brücke im Stadtgebiet der Landeshauptstadt. Solche Aktionen heizen die ohnehin angespannte Situation zusätzlich an.

Niedersachsens Innenminister, Boris Pistorius (SPD), mahnte gestern bereits: “Sollte es im Umfeld des Spiels zu größeren, gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen, weise ich schon heute darauf hin, dass dies weitreichende Konsequenzen für das Rückspiel haben wird. Dieses Spiel findet quasi unter Bewährung statt.” Ob die Vorkommnisse am gestrigen Abend auf diese Aussage Auswirkungen hat ist noch unklar.

Es sollte trotz des Wirbels um die Geschehnisse darauf geachtet werden, dass verschiedene Fan-Gruppierungen nicht pauschalisiert werden. Für die Hooligans steht die Gewalt an erster Stelle, sie kann hier sogar als Selbstzweck angesehen werden. Die Ultras sind von diesen Gruppierungen jedoch klar abzugrenzen. Zwar lehnen auch sie “Gewalt” nicht grundsätzlich ab, andere Faktoren, wie der verbale und visuelle Support der Mannschaft stehen aber klar an erster Stelle.

Zweitliga-Spitzenreiter Braunschweig empfängt am morgigen Sonntag um 13:30 Uhr die viertplatzierten Hannoveraner.